Freitag, Oktober 7, 2022

Denkmalserie: Stadtmauer schützte Werne bis ins 18. Jahrhundert

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Wer­ne. „Auf die Tür­me!“ schall­te die­ser Ruf durch die Stra­ßen und Gas­sen Wer­nes, „rot­te­ten“ sich die Bäcker, die Schnei­der, die Schmie­de, die Fleisch­hau­er, Meis­ter und ihre Gesel­len, zusam­men, auch die der ande­ren Zünf­te und Gilden.

Droh­te ein räu­be­ri­scher Über­fall, oder setz­te der Feind, der Graf von der Mark, mit Rit­tern und Knap­pen über die Lip­pe, muss­te die Ver­ei­di­gung schnell auf den Bei­nen sein. Daher war genau fest­ge­legt, wie­viel Mann sich an wel­chem Abschnitt der Stadt­mau­er zu ver­sam­meln hat­ten, so etwa zwi­schen Stein­tor und Grie­se­turm am Bäcker­häus­chen 28 Mann, am Stein­tor 8, am Grie­se­turm 5.

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Es wur­de getrom­melt und gebla­sen. So konn­ten schnell vier Stadt­to­re, eine Pfor­te, 8 Tür­me und vier Häus­chen auf dem Mau­er­ring besetzt wer­den. Von dort eil­ten dann die Mann­schaf­ten auf dem Wehr­gang der Mau­er zu der Stel­le, an der die Angriffs­spit­ze des Fein­des zustieß. Eine Abtei­lung wur­de „Rot­te“ genannt; sie unter­stand einem Rott­meis­ter. Der muss­te stets wach­sam sein.

Im alten „Wer­ne­schen Rotte­bu­che“ heißt es, dass die Rott­meis­ter „erst­lich jeder­zeit durch ihre Rott­ge­sel­len flei­ßi­ge Schild­wacht hal­ten, und falls sie etwas ver­neh­men, sol­len sie Alarm schla­gen las­sen“. Die wehr­fä­hi­gen Män­ner muss­ten sich im Gebrauch der Waf­fen üben und jeder­zeit für die Stadt­ver­tei­di­gung ver­füg­bar sein.

Der Denk­mal­be­reich der Stadt­mau­er erschließt Wich­ti­ges zur Stadt­ent­wick­lung. Ursprüng­lich ist schon der Raum rings um die Pfarr­kir­che mit Wall und Gra­ben befes­tigt, ab 1302 durch eine Mau­er ver­stärkt. 1383 wird der Ort mit Grä­ben und Pali­sa­den umge­ben. Er dient den Bewoh­nern als Flucht­ort bei Angrif­fen. Um 1400 erweist sich die­se Anla­ge als zu klein.

Nicht nur sind räu­be­ri­sche Über­fäl­le all­ge­gen­wär­tig, vor allem befeh­den sich die bei­den Ter­ri­to­ri­al­her­ren, der Bischof von Müns­ter und die Gra­fen von der Mark, um ihre Besit­zun­gen auf Kos­ten des Ande­ren aus­zu­deh­nen. Mehr­fach wird Wer­ne von den Trup­pen des Gra­fen ange­grif­fen und gebrandschatzt.

Die Stadt­mau­er begrenzt den jüdi­schen Fried­hof. Foto: Wagner

Der Bischof von Müns­ter, Wer­nes Lan­des­herr, baut Wer­ne gegen den Feind zur Grenz­fes­tung aus. Die Bau­ern in den west­li­chen Wer­ner Bau­er­schaf­ten müs­sen in die Stadt umsie­deln. Sie wer­den zu Acker­bür­gern, woh­nen in der Stadt und bestel­len ihre Fel­der in den Feld­mar­ken außer­halb. Die Zahl der wehr­fä­hi­gen Män­ner erhöht sich. Doch nur eine Mau­er rings um die Stadt gewähr­leis­tet eine rela­ti­ve Sicherheit.

Aller­dings wer­den erst über eine Bau­zeit von ca. 100 Jah­ren ein­fa­che Ver­tei­di­gungs­an­la­gen, Wäl­le, Grä­ben, Pali­sa­den, schritt­wei­se durch eine sta­bi­le Stein­mau­er, 3,60 Meter hoch und 60 Zen­ti­me­ter dick, ersetzt. Sie besteht aus Feld­brand­stei­nen auf einem Bruch­stein­fun­da­ment, 3.700 Taler teu­er, damals eine rie­si­ge Summe.

Für die Ent­wick­lung Wer­nes zur Stadt ist der Bau der Mau­er eine der Vor­aus­set­zun­gen. Sie schützt nach außen; inner­halb bil­det sie einen eigen­stän­di­gen Rechts­be­zirk, in dem der Lan­des­herr wich­ti­ge Pri­vi­le­gi­en an die Stadt­bür­ger abge­tre­ten hat. Inmit­ten wer­den Rat­haus und Markt­platz zum Zen­trum einer stol­zen Bürgergemeinde.

Mit dem West­fä­li­schen Frie­den und neu­er Waf­fen­tech­nik wird die Mau­er im 18. Jahr­hun­dert über­flüs­sig. Die Stadt ver­kauft die Mau­er auf Abriss. Das Mate­ri­al wird zum Haus- und Stra­ßen­bau ver­wen­det. Bei den Res­ten der his­to­ri­sche Süd­mau­er han­delt es sich um eine etwa 3 Meter hohe Back­stein­mau­er mit spit­zer Kro­ne, die im unte­ren Teil mit Bruch­stein durch­setzt ist. Die­se Res­te begren­zen den jüdi­schen Friedhof.

WERN­Eplus prä­sen­tiert zusam­men mit dem Ver­ein „Freun­de des his­to­ri­schen Stadt­kerns Wer­ne” Denk­mä­ler der Lip­pe­stadt; in der gedruck­ten Zei­tung und auch online.

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