Rund 40 Teilnehmende demonstrierten bei der Aktion der Linken gegen Tierquälerei vor dem Fleischer Mecke in Werne. Foto: Klaus Brüggemann
Rund 40 Teilnehmende demonstrierten bei der Aktion der Linken gegen Tierquälerei vor dem Fleischer Mecke in Werne. Foto: Klaus Brüggemann
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Werne. Die öffentliche Diskussion über den von der Soko Tierschutz aufgedeckten Tierquälerei-Skandal in einem Betrieb der Fleischerei Mecke reißt nicht ab.

Sowohl auf der Straße als auch in den sozialen Medien machen die Bürger ihrer Empörung über die unhaltbaren Zustände in der Viehsammelstelle an der Lünener Straße weiterhin Luft. Auch die politischen Parteien vor Ort mischen sich in die Debatte ein und fordern ein konsequentes Durchgreifen gegen die Verantwortlichen und Maßnahmen für die Verbesserung des Tierwohls.

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Am Freitagnachmittag hatte die Partei „Die Linke“ zum zweiten Mal zu einer Demonstration vor dem Stammsitz der Fleischerei Mecke an der Lippestraße aufgerufen. Die Teilnehmerzahl blieb in Anbetracht der öffentlichen Aufregung mit rund 40 Demonstranten aber überschaubar.

Mit Transparenten und dem Ruf „Mecke ist ein Tierquäler“ machten die Anwesenden ihrem Ärger über die ungeheuerlichen Vorgänge im Betrieb des Werner Schlachters Luft. Bundestagskandidatin Rebekka Kämpfe forderte in einem Redebeitrag schärfere Gesetze für den Tierschutz und höhere Strafen für diejenigen, die dagegen verstoßen. „Eine Strafe von 20.000 oder 25.000 Euro steckt der Mecke doch locker weg“, rief sie unter dem Beifall der Teilnehmer.

Polizei und Ordnungsamt sorgten für einen ordnungsgemäßen Ablauf der Demonstration am Freitagabend. Foto: Klaus Brüggemann
Polizei und Ordnungsamt sorgten für einen ordnungsgemäßen Ablauf der Demonstration am Freitagabend. Foto: Klaus Brüggemann

Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Werne seien schlichtweg sauer, dass beim Metzger ihres Vertrauens solche Vorgänge möglich seien, sagte Kämpfe. Die Demonstration fand im Beisein von Beamten der Polizei und Ordnungsamtsleiterin Kordula Mertens statt, die für den reibungslosen Ablauf sorgten.

SPD: „Wir verurteilen die Tierquälerei mit aller Schärfe“

Die SPD-Ortsverbände Werne, Lünen und Selm äußern sich in einer gemeinsamen Pressemitteilung zu den Vorfällen. „Mit Entsetzen und einiger Wut im Bauch haben wir die Bilder der Tierquälerei in der Viehsammelstelle in Werne zur Kenntnis nehmen müssen, die wir auf das Allerschärfste verurteilen“, heißt es in dieser Stellungnahme. Innerhalb weniger Monate seien die Menschen in Lünen, Selm und Werne ein zweites Mal mit brutaler Tierquälerei konfrontiert worden.

Neben der schonungslosen Aufarbeitung dieser Vorgänge durch die zuständigen Behörden müssten die Konsequenzen für die Zukunft formuliert und umgesetzt werden.

„Wir begrüßen die Position der SPD-Kreistagsfraktion, die aus der Aufarbeitung ebenfalls die richtigen Schlussfolgerungen zum Schutz des Tierwohls gezogen sehen will“, so Wernes SPD-Chef Siegfried Scholz.

Auch wenn es – wie fast überall – schwierig sei, solche Taten und die damit verbundene kriminelle Energie völlig zu verhindern, so sei es aus Sicht der SPD zwingend, die Bestimmungen des Tierschutzes mit aller Konsequenz durchzusetzen. „Dazu wird es gegebenenfalls auch gehören, das Veterinäramt des Kreises mit mehr und notwendigen Ressourcen bei Personal und Material auszustatten“, so die Sozialdemokraten. Auch Videoüberwachung, wie sie die SPD-Kreistagsfraktion vorschlägt, dürfe dabei kein Tabu sein.

CDU: „Wir sind schockiert und fassungslos“

Auch die CDU-Kreistagsfraktion fordert umfangreiche Aufklärung. Erneut habe innerhalb kürzester Zeit ein schwerer Verstoß gegen den Tierschutz den Kreis Unna erschüttert, heißt es in einer Presseerklärung. „Wir sind schockiert von den Bildern und fassungslos, dass es im Kreis Unna abermals zu derartig widerwärtigen Verstößen gegen das Tierwohl kommen konnte“, wird die gesundheits- und verbraucherpolitische Sprecherin der CDU-Kreistagsfraktion, Annika Brauksiepe, zitiert.

Für die Kreistagsfraktion würden sich insbesondere Fragen zu möglichen lückenhaften Kontrollen durch die zuständigen Behörden stellen. „Jetzt muss sprichwörtlich jeder Stein umgedreht werden und dabei ist die Rolle des Kreisveterinäramtes zu hinterfragen“, so der Vorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion, Marco Morton Pufke. Politik sei nun in der Pflicht, die richtigen Fragen zu stellen. Das werde die CDU im Ausschuss für Gesundheit und Verbraucherschutz am 23. August tun, schreiben die Christdemokraten. Unabhängig davon fordere die Fraktion Landrat Mario Löhr auf, alles zu unternehmen, um den Sachverhalt aufzuklären und Versäumnisse in seinem Verantwortungsbereich klar zu benennen und abzustellen.

Eine offizielle Stellungnahme des Landrats zu den bei der Aufdeckung des Skandals geäußerten Vorwürfen gegen das Kreisveterinäramt liegt bisher nicht vor. Die Pressestelle der Kreisverwaltung verwies auf Anfrage von WERNEplus auf die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.

Grüne: „Wir sind zutiefst erschrocken“

Der Werner Ortsverband der Bündnis-Grünen äußert sich auf seiner Facebook-Seite.  „Wir sind zutiefst erschrocken über die qualvolle Behandlung von Rindern, Pferden und Kälbern, die in einer Viehsammelstelle in Werne durch die Soko Tierschutz aufgedeckt wurden. Mit welcher Verachtung und Brutalität hier vorgegangen wird, ist für uns unvorstellbar. Traurig ist, dass ein regionaler Metzger dieses System, wenn auch vermeintlich unwissend, mitgetragen hat“, heißt es dort.

Dieses Vertrauen sei unwiederbringlich verloren. Gerade in der Fleischindustrie werde bereits allzu oft das Vertrauen der Verbraucher/innen beschädigt. Auf lokaler Ebene verstöre dies umso mehr, da hier Anderes erwartet werde. „Dass kranke Tiere in der Lebensmittelverarbeitung landen und dermaßen misshandelt werden, zeugt von einem fehlerhaften System. Kontrollmechanismen haben hier auf mehreren Ebenen versagt. Hier muss eine nachhaltige Veränderung einsetzen“, schreiben die Grünen.

Dennoch sollte darauf hingewiesen werden, dass nicht alle lokalen Metzger Teil eines solchen Systems sind, sondern dass es viele Metzger gibt, die sich um das Tierwohl und eine schnelle und schmerzfreie Schlachtung kümmern, so der Ortsverband.

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