Montag, Januar 24, 2022

„Wir für Werne“: Planung eines Industriegebiets macht Sinn

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Werne. In die Diskus­sion um das neuge­plante Indus­trie- und Gewer­bege­bi­et Nordlippes­traße Nord hat sich jet­zt auch die Aktion­s­ge­mein­schaft „Wir für Werne“ eingeschal­tet – mit ein­er Posi­tion­ierung für das Vorhaben.

Der Vor­stand von „Wir für Werne“ begrüße die Entschei­dung der Stadt und ihrer poli­tis­chen Gremien, die Entwick­lung eines Indus­triege­bi­etes nördlich des Auto­bahnzubringers zu prüfen, heißt es in dem „Offe­nen Brief“ an Bürg­er­meis­ter und Ratsmit­gliedern. Nicht jedes Bauleit­plan­ver­fahren führe am Ende auch zu ein­er entsprechen­den Satzung „Bebau­ungs­plan“. Aber es wäre fahrläs­sig, dieses Ver­fahren nicht zu führen, meint der Vor­sitzende Michael Zurhorst.

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Der gekürzte „Offene Brief“ im Wortlaut:

Die Bun­desre­pub­lik Deutsch­land und ihre Städte und Gemein­den brauchen solche Flächen, um ins­beson­dere in Krisen­si­t­u­a­tio­nen autark­er zu wer­den. Die Pan­demie hat uns ger­ade gezeigt, dass wir als ehe­ma­lige „Apotheke der Welt“ nicht zeit­nah und mit Reser­ven Masken, Beat­mungs­geräte, medi­zinis­che Grund­stoffe für Impfmit­tel etc. her­stellen kön­nen. (…) Inzwis­chen hat sich die Erken­nt­nis durchge­set­zt, dass wir bes­timmte, noch zu definierende Pro­duk­te wieder in Deutsch­land her­stellen müssen, wenn wir nicht auf Dauer abhängig von Liefer­ket­ten aus dem Aus­land sein wollen. 

Dieser Erken­nt­nis fol­gend brauchen wir Flächen, um solche Fir­men in Deutsch­land anzusiedeln. Ohne neue Indus­trieflächen ‑auch solche mit 5 ha Min­dest­größe – geht das nicht. 

Kirch­turm­poli­tik („aber nicht bei uns…“) hil­ft nicht weit­er und daher wer­den im über­re­gionalen Bedarf solche poten­tiellen Flächen aus­gewiesen. Wir haben zumin­d­est die Pflicht, die Eig­nung für Indus­trie und Gewerbe ern­sthaft zu prüfen. Die Ein­leitung eines Bebau­ungs­plan­ver­fahrens ist das dafür vorgeschriebene und pro­bate Instrument.

Natür­lich wer­den heute an einen der­ar­ti­gen Bebau­ungs­plan viel höhere und andere Ansprüche gestellt als noch vor ein paar Jahren und alte Pla­nungss­chema­ta ste­hen eben­falls auf dem Prüf­s­tand. Das gilt für die ökol­o­gis­chen Aspek­te genau­so wie für die Arbeit­splatzdichte anzusiedel­nder Fir­men. Mehr Ein­bet­tung in die Land­schaft als bish­er, ökol­o­gis­che Aus­gle­ichs­flächen mit weniger zusät­zlichem Flächen­ver­brauch z.B. an Gewässern oder in der Innen­stadt, pro­duzierende Fir­men statt Logis­tik­er sind hier nur ein paar Stich­punk­te ein­er weit­erge­hen­den Sichtweise der Pla­nung als bisher. 

Wenn man die konkret zu über­pla­nende Fläche sieht, muss man fest­stellen, dass diese kein ökol­o­gis­ches Klein­od, son­dern inten­siv bewirtschaftete Ack­er­fläche mit allen damit ver­bun­de­nen Nachteilen ist. Trotz­dem bedeutet ein Indus­triege­bi­et Ver­siegelung und Ver­brauch von freien Flächen, der eingedämmt wer­den muss. Genau das ist Auf­gabe des Region­alplanes, der diese Fläche als Poten­tial vorgibt, aber gle­ichzeit­ig lan­desweit solche Flächen stark kontin­gen­tiert. Insofern muss und wird das Bebau­ungs­plan­ver­fahren der Stadt sämtliche Fra­gen sorgsam und mit einem erweit­erten Fokus in Rich­tung Kli­maschutz abwä­gen. Aber diese Abwä­gung sollte unbe­d­ingt weit­erge­führt werden.

Als Beispiel für eine Abwä­gung mag auch das Wohn­pro­jekt am Beck­lo­hhof dienen. Diese anerkan­nte Kli­maschutzsied­lung entste­ht auf ein­er bish­er ökol­o­gisch hochw­er­ti­gen stadt­na­hen Streuob­st­wiese, die ökol­o­gisch um den Fak­tor 3 bis 4 höher­w­er­tiger ist als die zu bepla­nen­den, inten­siv bewirtschafteten Ack­er­flächen außer­halb der Stadt. Aber das Pro­jekt ist als Kli­maschutzsied­lung wertvoll und wird als KFW40plus Haus entsprechend gebaut. In der Abwä­gung führte das sachgerechter Weise zu ein­er Bau­genehmi­gung. Aber es bleibt bei ein­er Ver­siegelung ein­er hochw­er­ti­gen Streuob­st­wiese. Die Ver­siegelung ökol­o­gisch wichti­gen Natur­raumes ist also nicht das haup­tauss­chlaggebende Argu­ment, wie Geg­n­er der Indus­triege­bi­et­s­pla­nung an promi­nen­ter Stelle anführen. 

Natür­lich gibt es auch Argu­mente gegen eine solche Entwick­lung und diese sollen und müssen im Plan­ver­fahren Gehör in der Abwä­gung find­en. Im Vorhinein ohne Prü­fung aller Argu­mente „nein“ zu sagen, ist aus unser­er Sicht zwar legit­im, aber genau­so falsch wie eine Aus­sage, dass ein Indus­trie- und Gewer­bege­bi­et an dieser Stelle auf jeden Fall kom­men muss. 

Lei­der stellen wir fest, dass die Geg­n­er der Pla­nung bewusst oder unbe­wusst mit aus unser­er Sicht zumin­d­est Halb­wahrheit­en öffentlich argu­men­tieren. Daher sehen wir es auch als unsere Auf­gabe an, die Öffentlichkeit während des gesamten Pla­nung­sprozess­es mit sach­di­en­lichen Infor­ma­tio­nen zu ver­sor­gen. Wir von „Wir für Werne“ ver­trauen auf eine sachgerechte Abwä­gung im weit­eren Ver­fahren. Die ein­gangs genan­nten Gründe für ein neues Indus­triege­bi­et sind darin nur ein, wenn auch aus unser­er Sicht gewichtiger, Punkt.

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2 KOMMENTARE

  1. Wenn wir unser­er Jugend eine Zukun­ft geben wollen, dür­fen wir die Fehler der Ver­gan­gen­heit nicht wieder­holen. Wir müssen unsere Natur schützen und eine gesunde Kreis­laufwirtschaft entwick­eln. Zukun­ftsweisende Indus­trie sollte auf bere­its ver­siegel­ten und ver­lasse­nen Indus­trieflächen, wie z.B. am Ger­stein­werk ange­siedelt wer­den. Als kleine, his­torische Stadt wirbt Werne mit dem Slo­gan „Stadt-Land-Lippe“. Die Schön­heit der Land­schaft prägt das eigene Selb­stver­ständ­nis und ist gle­ichzeit­ig ein wichtiger Wirtschafts­fak­tor. Auch die neue Studie zur geplanten Sur­fwrld in Werne zeigt: zukün­ftige Besuch­er wollen Natur und Erleb­nis­touris­mus und garantieren damit viele, neue Arbeit­splätze im Umwelt-Sektor.
    Es stimmt, die Indus­trie des Ruhrge­bi­etes hat Geschichte geschrieben und das deutsche Wirtschaftswun­der ist in der ganzen Welt bekan­nt und geachtet. Schon immer hat Deutsch­land die Inno­va­tio­nen in der ganzen Welt vor­angetrieben. Doch der indus­trielle Erfolg hat­te auch Nachteile. In den let­zten 60 Jahre wur­den mehr kli­maschädliche Gase freige­set­zt, als jemals zuvor in der Geschichte der Welt. So ent­stand der Kli­mawan­del mit den aktuellen Prob­le­men für unsere Zukun­ft. Ein zweites, deutsches Wirtschaftswun­der, braucht eine regen­er­a­tive Wirtschaft. Deshalb muss unsere mün­ster­ländis­che Park­land­schaft im Bere­ich der Nordlippes­traße auch in Zukun­ft geschützt wer­den. Für eine gesunde Zukun­ft brauchen wir das bedeu­tende Grund­wass­er-Quell­ge­bi­et, die wichtige Frischluft-Schneise von Werne und neue, regen­er­a­tive Wirtschaftskonzepte.

  2. Als Ver­mes­sungsin­ge­nieur, Lob­by­ist und langjähriger Bauauss­chussvor­sitzen­der der Stadt Werne, ist es sicher­lich schw­er zu akzep­tieren, das es Zeit wird ern­sthaft über die Ver­gan­gen­heit nachzu­denken und neue Erken­nt­nisse für die Zukun­ft zu entwick­eln. Fährt man mit offe­nen Augen durch die Gewer­bege­bi­ete der Stadt Werne, dann fragt man sich zu recht, wie weit wird diese Ver­siegelung noch weit­er getrieben. Ins­beson­dere ent­pup­pen sich die städtis­chen Vor­gaben in Rich­tung Kli­maschutz als reine Luftnummer ! 

    Ist Prof­it alles ? Wo bleibt der Men­sch, die Natur und ins­beson­dere der Arten­schutz ? Was macht diese wirtschaftliche Fokusierung auf unsere men­schliche Gesellschaft ? Haben wir uns in die richtige Rich­tung weiterentwickelt ? 

    Nicht umson­st gibt es Vor­gaben, den Flächen­ver­brauch bis zum Jahr 2050 auf „0” ha zurück­z­u­fahren. Diese Vor­gabe und deren Begrün­dun­gen sind offen­sichtlich noch nicht in unser­er Kom­mune und deren Haup­tak­teueren angekommen.

    Aus per­sön­lichen Gesprächen mit Mit­gliedern von „Wir für Werne” weiss ich, das nicht alle der zurhorstschen Rich­tung fol­gen, Gott sei Dank !

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