In der Kita St. Sophia in Stockum ist eine Übergangslösung zumindest für zwei Gruppen gefunden worden. Foto: Volkmer
In der Kita St. Sophia in Stockum sind weitere Schäden zutage getreten. Pfarrdechant Jürgen Schäfer spricht von einer „Vollkatastrophe". Foto: Volkmer
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Stockum. Alles andere als geplant verläuft die Sanierung der katholischen Kita St. Sophia in Stockum. Der Wasserschaden im Dach des Anbaus ist weitaus schlimmer als angenommen. Nicht nur im vorderen Teil des Anbaus, sondern auch im Bereich des Bestandsgebäudes ist das Dach durch eingedrungenes Wasser so beschädigt und voller Schimmel, dass die im Dezember begonnenen Sanierungsmaßnahmen nicht ausreichen.

„Eine Teilsanierung ist ausgeschlossen, da ist eine Totalsanierung notwendig“, sprach Dechant Jürgen Schäfer am Donnerstag (21. Januar) auf Nachfrage von WERNEplus Klartext. „Das ist ein Riesendrama, eine Vollkatastrophe, wir müssen jetzt in alle Richtungen denken“, kommentierte er die Zuspitzung der bereits im Sommer 2019 begonnenen Reihe von Schäden, die Einrichtung und Träger nun erneut vor große Probleme stellt. „Auf absehbare Zeit wird das hier nichts,“ räumte er ein. Da gehe die Sicherheit der Kinder vor.

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In einer virtuellen Kirchenvorstandssitzung am Donnerstagabend solle das weitere Vorgehen beraten werden. Eine Container-Lösung für zwei Kita-Gruppen, aufgestellt auf dem Parkplatz neben dem evangelischen Gemeindezentrum, werde erwogen. Die Betreuungsmöglichkeiten für zwei Gruppen im Gemeindezentrum bleibe erhalten. Ein Gerichtsverfahren zu den Schäden an dem Kita-Gebäude ist anhängig. Hier müsse man nun wieder die neuen Schäden gutachterlich feststellen lassen und anmelden. Allein einen Gutachter zu finden, dauere, insbesondere unter den gegenwärtigen Corona-Bedingungen wie Homeoffice etc., schilderte Schäfer die Situation.

Zum Hintergrund: Im Sommer 2019 mussten in der Stockumer Kita die Umzugskartons gepackt werden. Grund war ein Wasserschaden im 2012 errichteten Anbau an der Vorderseite der Einrichtung sowie einige Setzungen in diesem Bereich. Für die Dauer der Sanierung kam die Vier-Gruppen-Kita in echter Nachbarschaftshilfe im evangelischen Gemeindezentrum unter. Die Betriebserlaubnis für die Betreuung von vier Gruppen dort hatte der Landschaftsverbands Westfalen Lippe (LWL) allerdings nur temporär bewilligt und im vergangenen Sommer mitgeteilt, dass für zwei Gruppen eine andere Raumlösung gefunden werden müsse. Mit der Sanierung der rückwärtigen Bestandsräume sollte dies umgesetzt werden.

Ausweichquartier dringend gesucht

Zu den Sanierungsmaßnahmen war ein Baubiologe hinzugezogen worden, der zusammen mit dem Architekten das Sanierungskonzept beim LWL vorgelegt hatte. Bei Raumluft-Messungen des Baubiologen seien zunächst keine Schimmelsporen festgestellt worden. Die Decke sei nach unten mit einem Schutzfilm abgedichtet gewesen. Die später bei der Abnahme der Schallschutzdecke entdeckten Schäden mit Schimmel in Dach und Dämmmaterial seien deshalb nicht messbar gewesen.

Eltern zeigten sich bereits im Vorfeld gegenüber WERNEplus entsetzt über die neue Hiobsbotschaft und forderten gerade in Corona-Zeiten eine „größere Lösung“. Dabei verwiesen sie auf den Vorschlag des Elternbeirats, in das ehemalige Freibad Stockum umzuziehen. 2008 haben bekanntlich die Mitglieder des Angelsportvereins ASV Werne-Lippetal das alte Schwimmbad von der Stadt übernommen. Die Becken wurden verfüllt, die Gebäude für den Verein hergerichtet. Hier sei Platz und die Angler gesprächsbereit, heißt es aus der Elternschaft.

„Wir brauchen schnell eine Lösung“, wies Jürgen Schäfer auf die drängende Zeit und die Kostenfrage hin. Für den Vorschlag, das ehemalige Freibad zu nutzen, müsse etwa geprüft werden, ob alle Anforderungen an Kanalisation, Bodenbeschaffenheit, Strom, Wasser etc. den Anforderungen für einen Kita-Betrieb genügten. Das brauche Zeit, die man kaum habe. Als Träger der Kita habe man zudem keine eigenen Mittel zur Verfügung, müsse schlicht jemanden haben, der bezahlt. Alle Investitionen über 15.000 Euro – und allein bei einer angedachten Container-Lösung spreche man von mehreren 100.000 Euro – müssten von der Kirchenaufsicht genehmigt werden.

Jede Lösung sei mit dem Bistum, dem Landschaftsverband, der eine Betriebserlaubnis erteilen muss, dem Jugendamt und selbstredend mit der Einrichtung (Mitarbeiter/Eltern) abzustimmen. Auch für die Aufstellung von Containern sei eine Baugenehmigung notwendig, wies Schäfer zudem auf eine gewisse Verfahrensdauer für eine Bearbeitung durch die Verwaltung hin.

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