Die Brillen sollen dabei helfen, für die Gefahren des Straßenverkehrs zu sensibilisieren und Verkehrsunfälle mit schweren und schwersten Folgen zu reduzieren. Foto: Volkmer
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Werne. Die nordrhein-westfälische Polizei setzt auch auf Virtual-Reality-Brillen zur Verhütung von Verkehrsunfällen. Die Polizei im Kreis Unna ist eine von zehn Behörden, die an dem Projekt teilnimmt. Die Brillen sollen dabei helfen, für die Gefahren des Straßenverkehrs zu sensibilisieren und Verkehrsunfälle mit schweren Folgen zu reduzieren. In Werne fand am Mittwoch die erste öffentliche Präsentation statt.

Bei dem Vor-Ort-Termin auf dem Parkplatz des Penny-Discounters ermöglichten es die Verkehrssicherheitsberater Britta Vormbaum und Thomas Glaser interessierten Passanten, die VR-Brille auszuprobieren und sich mit der virtuellen Gefahrensituation auseinanderzusetzen. Die Teilnehmer sollen sich mit Hilfe der Brillen, in denen 360-Grad-Filme gezeigt werden, in die unterschiedlichen Perspektiven der Verkehrsteilnehmer hineinversetzen.

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„Im ersten Film wird der Nutzer zunächst virtuell auf ein Fahrrad gesetzt“, berichtet Polizeikommissarin Britta Vormbaum. Dabei erlebt der Proband während der Fahrt, wie er von einem abbiegenden Lkw-Fahrer übersehen und erfasst wird. In der zweiten Einstellung wechselt die Perspektive – und die Person mit der nicht ganz so leichten Brille auf der Nase befindet sich plötzlich auf dem Sitz des Berufskraftfahrers. „Das ist für viele eine komplett neue Erfahrung, denn ein Blick aus dem Führerhaus dürfte für Radfahrer fremd sein“, so Vormbaum, die hofft, dass so nicht nur das Thema des „toten Winkels“ bewusster wird, sondern auch das gegenseitige Verständnis unterschiedlicher Verkehrsteilnehmer füreinander wächst.

Elisabeth Kollhoff aus Werne probierte die Virtual-Reality-Brille aus. Foto: Volkmer

Das Ausprobieren der Brille hat auch einen praktischen Hintergrund, denn die Polizei testet bis Ende des Jahres zwei unterschiedliche Modelle, um dann künftig mit einem von beiden weiter zu arbeiten. Daher hinterließen die Teilnehmer auch ihre Einschätzung auf einem Fragebogen. „Das war beeindruckend, selbst wenn die Tatsache, dass der Radfahrer angefahren wird, noch deutlicher dargestellt werden könnte“, sagte Elisabeth Kollhoff aus Werne nach ihrem virtuellen Erlebnis.

Virtuelle Erfahrung auch für Eltern

Öffentliche Termine wie die Vorstellung in Werne wird es coronabedingt nicht häufig geben, dennoch kündigte Vormbaum an, dass es geplant ist, die Brillen auch mit Eltern von Kindergartenkindern zu testen, für die es den Film „Kinder im Straßenverkehr“ gibt, bei dem die Eltern dann die Sichtweise von Kindern realistisch erleben können. Auch im Rahmen des noch pausierenden Verkehrsunfallpräventionsprogramms Crash Kurs NRW ist ein Einsatz durchaus möglich.

Dass die Präsentation in Werne stattfand, war kein Zufall. Polizeisprecher Bernd Pentrop wies darauf hin, dass erst Ende November an der Kreuzung Am Freien Stuhl/Kirchhof-Mottenheim ein 84-jähriger Fußgänger mit seinem Rollator die Straße vor einem Betonmischer überqueren wollte und dann von dem Fahrzeug lebensgefährlich verletzt wurde.

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