Eine Bild der Verwüstung bot sich den heimischen THW-Kräften in Bad Münstereifel. Foto: Jörg Prochnow
Eine Bild der Verwüstung bot sich den heimischen THW-Kräften in Bad Münstereifel. Foto: Jörg Prochnow
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Werne. Über Wochen im Dauereinsatz gegen die verheerenden Folgen der Flutkatastrophe berichtete jetzt der Pressesprecher des Werner Ortsverbandes des Technischen Hilfswerks, Jörg Prochnow, gegenüber WERNEplus.

Als zu Beginn des Monats Juli gerade sechs Helfer des THW ihre Grundausbildung mit Erfolg beendet hatten, habe noch keiner von ihnen geglaubt, das Erlernte so schnell in die Praxis umsetzen zu müssen, schilderte er. Anders als bei der Feuerwehr könne es nämlich sein, dass die ehrenamtlichen Helfer dieser Bundesorganisation über einen längeren Zeitraum keine Einsätze hätten und die Zeit mit Ausbildungsdiensten und Materialpflege verbringen – so wie im Jahr 2020 beispielsweise. Werde das THW dann aber alarmiert, handele es sich nicht selten um größere Schadensereignisse. So war es auch diesmal.

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„Als hätten wir es geahnt“, beschrieb Prochnow das vorsorgliche Befüllen von einigen tausend Sandsäcken am 14. Juli auf dem THW-Gelände am Südring: „Die starken Regenfälle in Fröndenberg waren scheinbar nur Vorboten für etwas, was noch nie da war in unseren Breiten.“ Noch am selben Abend mussten die Werner Helfer in die nähere Umgebung ausrücken, um Gebäude und Kellereingänge gegen Wassereinbruch zu sichern. Einsatzorte waren unter anderem auch das Krankenhaus in Werne sowie mehrere Wohnhäuser in Bergkamen.

Aber auch jenseits der Unnaer Kreisgrenzen – speziell im benachbarten Märkischen Kreis – bereitete der Dauerregen den Menschen Sorgen. „Ablaufende Wassermassen aus den Bergen fanden ihren Weg in den Keller eines Pumpwerkes. Bei steigendem Wasserstand wäre die Trinkwasserversorgung in Altena, Lüdenscheid und Umgebung ausgefallen. Mit ihrer Schmutzwasserpumpe Hannibal pumpten die Helfer aus Werne das Wasser in einen Überlauf, um es in die Lenne abfließen zu lassen“, schildert Prochnow den Spezialeinsatz. Zu einem ähnlichen Einsatz sei es dann unmittelbar zurück nach Bergkamen gegangen. Hier musste das Wasser aus einem vollgelaufenen Pumpwerk der RAG zurück in den Kuhbach geleitet werden.

Nur einen Tag später führte die Fahrt des Werner THW-Teams nach Wuppertal, wo die Tiefgarage eines Einkaufszentrums unter Wasser stand, ebenso wie die Untergeschosse eines angrenzenden Großraumkinos. Die dort abgepumpten Wassermassen habe man in die nahe Wupper geleitet.

Mit schwerem Gerät half das THW-Team aus Werne in Bad Münstereifel bei den Aufräumarbeiten. Foto: Jörg Prochnow
Mit schwerem Gerät half das THW-Team aus Werne in Bad Münstereifel bei den Aufräumarbeiten. Foto: Jörg Prochnow

„Was unsere Helfer danach erwartete, war jenseits aller Vorstellungskraft“, berichtet Jörg Prochnow unter dem Eindruck der Ereignisse. „Die Flutkatastrophe, die viele Menschen das Leben kostete und hunderte obdachlos machte, sorgte für den möglicherweise größten Einsatz in der Geschichte des Technischen Hilfswerkes. Mehrere Wochen verbrachten auch die Helfer aus Werne im Kreis Euskirchen, in der Stadt Stolberg und in Ahrweiler. Auch hier war die Hannibal-Schmutzwasserpumpe im Dauereinsatz. Immer wieder mussten Wassermassen zurückgeleitet werden, da die Flüsse ihren ursprünglichen Weg veränderten und Wohngegenden und andere Gebäude, insbesondere aber die Kanalisation, gefährdeten.“

Auch das Knowhow der Fachgruppe Elektroversorgung war laut Prochnow dringend gefragt. Die Helfer hätten mehrere Reparaturarbeiten für den dortigen Netzbetreiber durchgeführt und für die Stromversorgung der Menschen in diesem Gebiet gesorgt. Übernachtet haben die Werner Helfer direkt vor Ort auf Feldbetten in Fahrzeughallen und Zelten. Länger als drei oder vier Tage, maximal aber eine Woche, sei allerdings niemand am Einsatzort verblieben. Vielmehr habe man zwischendurch einzelne Helfer immer wieder gegen neue Kräfte ausgetauscht.

Die Helfer/innen spürten in der Bevölkerung eine große Dankbarkeit. Foto: Jörg Prochnow
Die Helfer/innen spürten in der Bevölkerung eine große Dankbarkeit. Foto: Jörg Prochnow

„Beeindruckt waren viele von uns von der Dankbarkeit der Bevölkerung. An vielen Häuserwänden stand der Spruch „Danke an alle Helfer“. Gemeint waren damit natürlich auch alle zivilen Helfer und die Kollegen der Feuerwehr, den Hilfsorganisationen und der Polizei“, beschreibt Prochnow den Hilfseinsatz. Übergriffe oder Pöbeleien gegenüber den Einsatzkräften, wie durch die Medien berichtet, habe es glücklicherweise aber nicht gegeben, ergänzte er.

Im Herbst beginnt wieder eine neue Grundausbildung des THW. Interessierte können sich mittwochs ab 19 Uhr persönlich über die Arbeit des THW am Südring 3a informieren. 

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