Samstag, Mai 21, 2022

Therapie auf dem Pferderücken

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Wer­ne. Strah­lend hält Rei­ter Chris­ti­an Jan­sen Gold­me­dail­le und Sie­ger­schlei­fe von den Spe­cial Olym­pics Welt­spie­len in Abu Dha­bi 2019 in die Kame­ra. Gewon­nen hat er sie für sich selbst und für alle akti­ven und pas­si­ven Mit­glie­der des Ver­eins für Reit­the­ra­pie im Kreis Unna e. V., des­sen akti­ves Mit­glied er seit 20 Jah­ren ist.

Wie er sind Anni­ka Lit­tau, Timur Acar, Hele­na Hohen­hö­vel und Chris­to­pher Engel­din­ger schon mehr als zwei Jahr­zehn­te im Ver­ein, bei Andre­as Buick sind es sogar schon 30 Jah­re Mit­glied­schaft. Wie sie haben vie­le der heu­te erwach­se­nen Akti­ven mit der Reit­the­ra­pie schon in ihrer Kind­heit begon­nen und sind dabei geblieben.

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Die ganz­heit­lich posi­ti­ven Effek­te auf die Ent­wick­lung der kör­per­lich, geis­tig und mehr­fach behin­der­ten Mit­glie­der sind es nicht allein, auf die Fami­li­en aus Wer­ne, Kamen, Berg­ka­men und Unna bei der Reit­the­ra­pie set­zen. Denn neben den Übungs­stun­den, die jeden Sams­tag­vor­mit­tag in einer Hal­le der Reit­an­la­ge Schwert in Wer­ne statt­fin­den, ist den Fami­li­en das inklu­si­ve und inte­gra­ti­ve Ver­eins­le­ben mit sei­nen Kon­tak­ten und gemein­sa­men Unter­neh­mun­gen wich­tig. „Es geht nicht nur dar­um, die Moto­rik zu ver­bes­sern, son­dern um eine ganz­heit­li­che The­ra­pie, die auch das Sozi­al­ver­hal­ten und einen ver­ant­wor­tungs­vol­len Umgang mit den Tie­ren schult“, beton­ten Vor­sit­zen­de Mari­on Acar und Stell­ver­tre­te­rin Ros­wi­tha Jan­sen im Gespräch mit WERN­Eplus. Von Anfang an durf­ten auch die Geschwis­ter­kin­der mit­ma­chen und fin­den viel Spaß an den Sams­tag­vor­mit­ta­gen in der Reithalle.

In der lan­gen Zeit der Coro­na-Pan­de­mie wur­den die Tref­fen sehr ver­misst, berich­te­ten bei­de. Umso grö­ßer war die Freu­de, als Ende August das 40-jäh­ri­ge Bestehen des Ver­eins gemein­sam gefei­ert wur­de. Am 18. Novem­ber 1981 jähr­te sich die Grün­dung des Ver­eins, der aus einer Eltern­in­itia­ti­ve um die spä­te­re lang­jäh­ri­ge Vor­sit­zen­de, Ger­ti Latus­sek, Ehe­mann Hans und Toch­ter Gaby her­vor­ging. „Set­zen Sie ihr Kind aufs Pferd“, hat­te der Arzt Fami­lie Latus­sek als The­ra­pie für die Toch­ter emp­foh­len. Mit dem Kauf eines Ponys nahm dann alles sei­nen Anfang.

Das gibt Selbst­ver­trau­en: Stu­te Frie­da lässt den Jun­gen see­len­ru­hig auf ihrem Rücken balan­cie­ren. Foto: Gaby Brüggemann

Die the­ra­peu­ti­schen Erfol­ge spra­chen sich her­um und der Grund­stein für die ers­te Selbst­hil­fe­grup­pe war gelegt. Die Grup­pe der Rei­ter ver­grö­ßer­te sich und die Pla­nung eines Ver­eins begann. Gleich­zei­tig ging man auf die Suche nach einer Reit­hal­le, um auch bei schlech­tem Wet­ter die The­ra­pie durch­füh­ren zu kön­nen. Von Josef Schwert erhielt man schließ­lich die Geneh­mi­gung, die Reit­hal­le des „Reit- und Fahr­ver­ein St. Georg Wer­ne“ zu nut­zen. Das ers­te The­ra­pie­pferd „Elfi“ wur­de der Eltern­in­itia­ti­ve von Wil­helm Kan­ne kos­ten­los über­las­sen. Die Reit­an­la­ge Schwert ist seit nun­mehr 30 Jah­ren Stand­ort des Ver­eins, der Mit­glied im Behin­der­ten Sport­ver­band NRW und im Deut­schen Sport­bund ist. Dies gilt auch für die Spe­cial Olym­pics für Men­schen mit geis­ti­ger Behin­de­rung in Nord­rhein-West­fa­len und das Kura­to­ri­um für the­ra­peu­ti­sches Reiten.

Hier hel­fen alle mit: Mit ver­ein­ten Kräf­ten orga­ni­siert das ehren­amt­li­che Team um Mari­on Acar (links) und Ros­wi­tha Jan­sen (Mit­te) jedem Sams­tag Übungs­ein­hei­ten in der Reit­an­la­ge Schwert. Vie­le der Akti­ven sind von Kin­des­bei­nen an dabei und geben heu­te Hil­fe­stel­lung und Anlei­tung. Foto: Gaby Brüggemann

Apro­pos Spe­cial Olym­pics: Die ein­gangs beschrie­be­ne Teil­nah­me an den Welt­spie­len ist nur die jüngs­te in einer gan­zen Rei­he frü­he­rer erfolg­rei­cher Auf­trit­te. So waren Reiter/innen aus Wer­ne und dem Kreis Unna seit 2006 schon mehr­fach dabei und sind dafür um die hal­be Welt gereist. In Shang­hai, Athen und Los Ange­les stan­den die Teil­neh­men­den aus dem Kreis Unna eben­falls auf den Star­ter­lis­ten und klet­ter­ten wie­der­holt auf das Treppchen.

„So wer­den Selbst­stän­dig­keit, Ver­ant­wor­tung und Sozi­al­ver­hal­ten geför­dert, alle profitieren”,

Ros­wi­tha Jan­sen über die Reittherapie.

Heu­te sind es die vier ver­eins­ei­ge­nen The­ra­pie­pfer­de Gin Tonic, Cla­re Sil­ver, Har­mo­ny und Frie­da sowie ein Pony, auf denen die Akti­ven unter­schied­li­chen Alters an jedem Sams­tag in einer Hal­le der Reit­an­la­ge ihre Run­den dre­hen. In der ers­ten Übungs­ein­heit wer­den die Pfer­de am Zügel geführt, spä­ter sind die Rei­ter an der Rei­he, die ohne Füh­rung rei­ten kön­nen. Ziel der The­ra­pie ist es, Kin­dern, Jugend­li­chen und jun­gen Erwach­se­nen mit Han­di­cap in viel­fäl­ti­gen Belan­gen zu fördern.

Das reicht vom moto­ri­schen Bereich über Wahr­neh­mungs­schu­lung, Über­win­dung von Ängs­ten und Stei­ge­rung des Selbst­wert­ge­fühls bis hin zur För­de­rung sozia­ler Fähig­kei­ten. Kin­dern aus dem Bereich der Jugend­hil­fe hilft die The­ra­pie bei­spiels­wei­se, Ver­trau­en auf­zu­bau­en und auch hyper­ak­ti­ven Kin­dern bekom­men die ruhi­gen Bewe­gun­gen und das Ein­ge­hen auf die Vier­bei­ner gut. „So wer­den Selbst­stän­dig­keit, Ver­ant­wor­tung und Sozi­al­ver­hal­ten geför­dert, alle pro­fi­tie­ren“, erklär­te Ros­wi­tha Jansen.

Die beson­de­re Wir­kung der Reit­the­ra­pie zeigt sich oft unmit­tel­bar. „Wir hat­ten ein Kind mit einer Spas­tik, das im Roll­stuhl und mit einer star­ken Ver­kramp­fung ankam. Durch die Wär­me und Bewe­gun­gen des Tie­res lag es schließ­lich ent­spannt auf dem Pfer­de­rü­cken“, nann­te Mari­on Acar ein Bei­spiel. Gegen­wär­tig kämpft der aus­schließ­lich spen­den­fi­nan­zier­te und ehren­amt­lich orga­ni­sier­te Ver­ein auch mit einem gro­ßen Man­ko und sucht drin­gend nach einem The­ra­peu­ten oder einer The­ra­peu­tin für die Übungs­ein­hei­ten. Auch wei­te­re Hel­fer, die gemein­sam mit den Rei­tern die Pfer­de für die Übun­gen bereit machen oder Aus­flü­ge und Wett­be­wer­be beglei­ten, sei­en gefragt, hof­fen die Vor­sit­zen­den auf per­so­nel­le Unter­stüt­zung. Für die Bewe­gung und För­de­rung der Pfer­de unter der Woche sind zudem Reit­be­tei­li­gun­gen willkommen.

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