Aus eins mach' zwei: Die Chancen auf ein zweites Gleis zwischen Münster und Dortmund sind deutlich gestiegen. Foto: Wagner
Aus eins mach' zwei: Die Chancen auf ein zweites Gleis zwischen Münster und Dortmund sind deutlich gestiegen. Foto: Wagner
Anzeige

Werne. Der Bau eines zweiten Gleises für die Bahnstrecke zwischen Dortmund und Münster ist seit Jahrzehnten eines der wichtigsten Ziele in Sachen Infrastruktur von Städten und Wirtschaft in der Region. Genutzt hat das Ringen um den zweigleisigen Ausbau dieser Engstelle im Bahnnetz bislang allerdings herzlich wenig. Doch jetzt gibt es Hoffnung auf einen „Bypass“, sprich auf einen zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke.

Denn die „Infrastrukturliste Deutschlandtakt“, zu der der Ausbau des Bahnteilstücks zusammen mit 180 weiteren Schienenprojekten gehört, hat es nach einer wirtschaftlichen Neubewertung in die oberste Dringlichkeitsstufe „Vordringlicher Bedarf“ des Bedarfsplans für die Bundesschienenwege geschafft. Das teilte das Bundesverkehrsministerium jetzt mit.

Anzeige

Verspätungen, Zugausfälle und Bummeltempo machen Pendlern und Reisenden nicht nur auf dem Abschnitt Dortmund – Münster seit jeher das Leben schwer, auch der Fernverkehr von Dortmund nach Hamburg kommt nur im schwerfälligen Zwei-Stunden-Takt voran. Insbesondere mit Blick auf eine klimaschonende Verkehrswende ist dies ein absolutes Unding. Im Frühjahr 2019 war dies für die Anlieger-Städte der Bahnlinie, Kammern, Verbänden und Gewerkschaften in der Region Grund genug sich zum „Bahnbündnis Westfalen“ zusammenzuschließen und in Berlin die Beseitigung des des Nadelöhr vehement einzufordern.

Zum Bahngipfel im Dezember 2019 waren Bahnchef Richard Lutz und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer zwar eingeladen, sagten aber mit Verweis auf laufende Planungen am Betriebskonzept „Deutschlandtakt 2030“ der Bahn ab. Ziel des Deutschlandtaktes ist eine Verdoppelung der Fahrgäste im Bahnverkehr. Mit der Vorlage des nunmehr fertigen Konzepts zeichnet sich ab, dass es mit dem Streckenausbau zumindest langfristig vorangeht. Laut Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur können somit die Planungen im Rahmen des rund 40 Milliarden Euro schweren Investitionsprogramms mit besagten 181 Schienenprojekten beginnen.

Bislang hatte es lediglich ein sechs Kilometer langes Teilstück zwischen Werne und Ascheberg in die oberste Kategorie des Bundesverkehrswegeplans (BVWP) geschafft, nach der Hochstufung des „Deutschlandtaktes“ sollen es nun die gesamten 30 Kilometer zwischen Werne und Münster sein. Weiterhin nicht dabei ist dagegen der zehn Kilometer lange Abschnitt zwischen Lünen-Preußen und Werne. Insgesamt ist das noch eingleisige Teilstück Dortmund – Münster 46 Kilometer lang.

Die Kostenschätzung für den zweigleisigen Ausbau zwischen Werne und Münster Amelsbüren zwecks „Kapazitätserweiterung und Mehrverkehre“ und „Engpassauflösung“ wird mit 200,7 Millionen Euro angegeben. Mit 1,27 Milliarden Euro findet sich zudem der Ausbau der schon jetzt vielbefahrenen Bahnstrecke Dortmund – Hamm in den Seiten des Konzeptes. Hier sind es ein drittes und abschnittweise viertes Gleis, die die Schieneninfrastruktur verbessern sollen.

„Die Entwicklung zeigt: Es lohnt sich, dran zu bleiben. Und wir bohren weiter“,

Adelheid Hauschopp-Francke, Vorstandsmitglied von Wir für Werne, zur aktuellen Entwicklung.

Bei der IHK-Dortmund als Mitglied des „Bahnbündnis Westfalen“ hört man die Nachricht gern, übt sich gleichwohl aber in Zurückhaltung. Denn zumindest „schnell“ wird es mit dem lang ersehnten zweiten Gleis für Regional- wie Fernverkehr wohl nicht gehen. „Die IHK zu Dortmund begrüßt die Erweiterung und Ausbaupläne“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Kammer, Stefan Schreiber. Die IHK habe kritisch hinterfragt, ob die verlängerten Überholabschnitte zwischen Capelle und Ascheberg ausreichen seien. „Die unterschiedlichen Geschwindigkeiten von Nah- und Fernverkehr haben bisher zu regelmäßigen Verspätungen geführt. Die zusätzlichen Planungen für den Deutschlandtakt und den Ausbau des Nahverkehrs in NRW werden nach Einschätzung der IHK vor allem durch einzelne ,Flaschenhälse` in der Infrastruktur begrenzt“, ordnete er ein. Umso erfreulicher sei, das das Bundesministerium nun Bereitschaft bekunde, den 30 Kilometer langen Abschnitt auszubauen. Dennoch gehe mit der Einstufung des Deutschlandtaktes im Bundesverkehrswegeplans noch kein Automatismus einher, dass das Projekt auch realisiert werde.

Deshalb brauche es nach Meinung der IHK auch weiterhin eine aufmerksame Begleitung und Unterstützung der regionalen Akteure. Stefan Schreiber: „In dem noch langen Planungsprozess lauern noch zahlreiche Stolpersteine. Insbesondere die Wirtschaftlichkeit wurde bisher in Frage gestellt. Letztlich konkurrieren die Projekte des BVWP miteinander um Planungs- und Finanzierungsressourcen.“

Auch während der Mitgliederversammlung von Wir für Werne war das zweite Gleis Thema. Bekanntlich sitzt die Aktionsgemeinschaft selbst beim „Bahnbündnis Westfalen“ mit am Tisch. „Die Entwicklung zeigt: Es lohnt sich, dran zu bleiben. Und wir bohren weiter“, sagte WfW-Vorstandsmitglied Adelheid Hauschopp-Francke und verwies auf das lange Ringen für die Umgehungsstraße, die letztlich auch realisiert worden sei.

Anzeige