Das Firmenschild der Fleischerei Mecke hängt seit dem 14. August 2021 nicht mehr an der Lippestraße. Foto: Wagner
Das Firmenschild der Fleischerei Mecke hängt seit dem 14. August 2021 nicht mehr an der Lippestraße. Foto: Wagner
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Werne. Gut zwei Wochen nach dem Bekanntwerden der brutalen Tierquälerei in einer Viehsammelstelle des Werner Schlachtereibetriebes Mecke zieht der Firmenchef offenbar Konsequenzen. Das Fleischereigeschäft an der Lippestraße und eine Filiale in der früheren Metzgerei Scharbaum in der Lünener Innenstadt sind seit Samstagmittag geschlossen.

Das Mecke-Firmenlogo wurde am Stammgeschäft abmontiert, in der Eingangstür hängt nur ein Schild mit dem Hinweis „Geschlossen“. Näheres erfährt die Öffentlichkeit nicht. Nachdem vor zwei Tagen die ersten Gerüchte über die bevorstehende Schließung aufkamen, bat WERNEplus Geschäftsführer Marko Mecke um eine Stellungnahme. Die blieb bisher aus.

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Ob von der Schließung auch der Schlachtbetrieb betroffen ist, ist derzeit offiziell nicht bekannt. Laut Informationen von Insidern soll es eine Betriebsversammlung gegeben haben, in der Mitarbeiter entlassen worden seien. Den Mitarbeitern, die bei der Misshandlung von Tieren von der Soko Tierschutz gefilmt worden waren, hatte Marko Mecke unmittelbar nach Bekanntwerden des Skandals bereits gekündigt. Er habe von den Vorgängen in seinem Betrieb nichts gewusst, sagte der Firmenchef und versprach seine volle Unterstützung bei der Aufklärung.

Auch zu den Gerüchten, dass Mecke einer Schließung durch die offiziellen Ermittlungsbehörden zuvorkomme, gibt es bisher keine Bestätigung, ebenso wenig wie zu den Behauptungen, dass inzwischen auch die Steuerbehörde ein Auge auf den Betrieb geworfen hat. Der zuständige Staatsanwalt Henner Kruse sagte auf Anfrage nur, dass die Ermittlungen andauern und mit ersten Ergebnissen erst in einigen Wochen zu rechnen sei. Bis dahin gebe man keine Auskunft. Die Schließung des Betriebs habe auf die Ermittlungen keinen Einfluss.

Die Viehsammelstelle an der Lünener Straße, in der vom Verein Soko Tierschutz die Tierquälerei durch Videoaufnahmen aufgedeckt wurde, war bereits nach Bekanntwerden der Tat von der Staatsanwaltschaft geschlossen worden. Der Betrieb in den Fleischereigeschäften lief aber weiter. Allerdings blieben die Kunden aus, nachdem der Skandal in der Öffentlichkeit, vor allem in den sozialen Medien, zum heiß diskutierten Thema wurde. Boykottaufrufe blieben nicht ungehört. Viele Geschäftspartner von Mecke, unter anderem Gastronomen und Caterer aus der Region, kündigten ihre Zusammenarbeit mit dem umstrittenen Fleischereibetrieb auf und distanzierten sich öffentlich.

Dazu gehört auch der Tierfutterhersteller Paribal, der erst vor kurzem vom bisherigen Standort neben dem Mecke-Betrieb an der Lippestraße in einen Neubau im Gewerbegebiet Nordlippepark gezogen ist. Marko Mecke sei aus der Geschäftsführung ausgeschieden, das Unternehmen beziehe kein Fleisch mehr von der Metzgerei, teilte Paribal-Geschäftsfüher Tim Ebbinghaus mit. 

„Aufgrund der Geschehnisse, die Firma Mecke betreffend, ist Herr Mecke aus der Firma Paribal GmbH & Co. KG ausgeschieden. Alleiniger Inhaber ist jetzt Tim Ebbinghaus. Die Firma Mecke war einer unserer zahlreichen Fleischlieferanten, belieferte uns jedoch nur zum kleinen Teil, so dass wir nun keine Probleme in Bezug auf unserer Rohware durch unsere anderen Lieferanten bekommen. Die Firma Mecke beliefert uns selbstverständlich nicht mehr“, heißt es wörtlich in einer Presseerklärung. 

Ebbinghaus betonte weiterhin, „dass das von Paribal bezogene Fleisch der Firma Mecke ausschließlich aus der Schlachtung an der Lippestraße stammte und somit von Tieren, die für den Lebensmittelbetrieb zugelassen waren“.  Dieses spiegele sich auch stets in der hohen Qualität der Produkte wider. Ebbinghaus: „Wir möchten uns bei unseren Kunden für die sachlich geführten Gespräche, den Zuspruch und die Aufmunterung bedanken. Nicht zu vergessen geht auch ein besonders herzlicher Dank an unsere Mitarbeiter für den Zusammenhalt, die Unterstützung und das Nicht-Aufgeben.“ Zu weiteren Punkten wollte sich Ebbinghaus zurzeit nicht äußern. Man stehe immer noch unter Schock.

Die Anzeichen verdichten sich, dass das Ladenlokal der Mecke GmbH in Werne geschlossen bleiben könnte. Foto: Wagner
Die Anzeichen verdichten sich, dass das Ladenlokal der Mecke GmbH in Werne geschlossen bleiben könnte. Foto: Wagner

Der Ende Juli aufgedeckte Skandal hat nicht nur in Werne und Umgebung die Menschen empört, sondern bundesweit Aufmerksamkeit gefunden, nachdem das ARD-Magazin Fakt darüber berichtet hatte. Wegen der großen Resonanz wird es nun einen weiteren Beitrag geben. Am Freitag war ein Kamerateam vor Ort, das erneut an den Schauplätzen, also an der Viehsammelstelle und am Stammsitz Lippestraße, gedreht hat. Zu Wort kommt in dem Beitrag neben empörten Bürger auch Lebensmittelhändler Clemens Overmann, der in seinem Geschäft Neuland-Biofleisch verkauft. Der Beitrag wird voraussichtlich am Dienstag in der Sendung Fakt zu sehen sein.

Unklar ist weiterhin, welche Rolle die offiziellen Aufsichtsbehörden, vor allem das Veterinäramt des Kreises Unna, bei dem Skandal gespielt haben. Denn die über mehrere Monate dokumentierten Quälereien von kranken und ausgemergelten Tieren durch Mitarbeiter der Viehsammelstelle sind dort offenbar nicht aufgefallen. Die politischen Parteien haben sich inzwischen geäußert und fordern eine lückenlose Aufklärung der Vorkommnisse. Eine Stellungnahme des Behördenchefs, Landrat Mario Löhr, ist bisher ausgeblieben. Auf Anfrage von WERNEplus verwies seine Pressestelle bekanntlich auf das laufende Ermittlungsverfahren durch die Staatsanwaltschaft.

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