Im Fan-Keller der Domnowskis ist alles in blau-weiß gehalten. Schalke ist ihre Liebe: Andreas, Cindy und Bogda Domnowski mit Hund Chucky. Wenn sie an Rudi Assauer denken, fangen sie an zu lächeln. Erzählen sie über die Gegenwart, wird die Tonlage ernster. Foto: Isabel Schütte
Im Fan-Keller der Domnowskis ist alles in blau-weiß gehalten. Schalke ist ihre Liebe: Andreas, Cindy und Bogda Domnowski mit Hund Chucky. Wenn sie an Rudi Assauer denken, fangen sie an zu lächeln. Erzählen sie über die Gegenwart, wird die Tonlage ernster. Foto: Isabel Schütte
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Werne. Es ist offiziell: 33 Jahre nach dem letzten Abstieg und 30 Jahre nach der triumphalen Rückkehr in die Bundesliga, muss der FC Schalke 04 zum insgesamt vierten Mal den Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Andreas, Bogda und Cindy Domnowski aus Werne sind immer noch geschockt. Ihr Herzensverein steigt ab. Nicht, dass dieses Desaster ganz plötzlich gekommen ist – aber seit wenigen Tagen ist es eben amtlich.

„Dieser Abstieg hat sich drei Jahre angebahnt. Eine Millionentruppe, die nach 30 Spieltagen ganze 13 Punkte geholt hat. Das ist nicht nachvollziehbar“, sagt Andreas Domnowski. Es brodelt an der Basis – an jener nimmermüden Stütze, die einem Verein in guten wie in schlechten Zeiten zur Seite steht, haben viele die Nase voll. Auch Bogda Domnowski, seit über 20 Jahren Schalke-Fan, wirkt ratlos. Auf die Einstiegsfrage, was beide von der aktuellen Situation halten, ist der einhellige Tenor: „Katastrophe!“ Damit dürfte kurz und knapp der Gemütszustand zigtausender Fans umschrieben werden. Der zweite Satz, den der 37-jährige sagt, ist ebenfalls ein klares Indiz dafür, was er aktuell von hoch bezahlten und derzeit komplett neben der Spur stehenden Kickern hält: Nicht viel! „Zurzeit könnten wir wohl besser mit der U 23 spielen.“

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Er setzt sogar noch einen drauf: „Die können doch froh sein, dass wir Corona haben. „Die Nordkurve hätte den Spielern bei jedem Spiel die Hölle heiß gemacht. Ich glaube nicht, dass wir dann so sang- und klanglos ohne Ehre abgestiegen wären.“ Was am Dienstagabend nach dem Spiel passiert ist, verurteilt Domnowski jedoch aufs Übelste. Denn als die Mannschaft von ihrem Gastspiel bei Arminia Bielefeld (0:1) wieder in Gelsenkirchen am Stadion ankam, stellten rund 500 bis 600 Anhänger die Mannschaft zur Rede – zunächst friedlich. Nach einiger Zeit reagierten vereinzelte Krawallmacher jedoch gewalttätig. Es flogen zunächst Feuerwerkskörper, ehe einige S04-Ultras die eigenen Spieler über das Vereinsgelände jagten.

Das ist auf einem Video zu sehen, das derzeit im Netz kursiert. Insbesondere Beleidigungen gegen Schalke-Offensivmann Mark Uth sind darauf zu hören. „Aber da verstehe ich auch den Vorstand nicht. Wenn man weiß, da stehen um 0.30 Uhr Fans und wollen mit der Mannschaft reden, hätte man das auf einen anderen Zeitpunkt verlagern müssen. Nicht nachts und dann noch voller Emotionen. Dass diese Aktion nach hinten los geht, war eigentlich abzusehen“, betont Andreas Domnowski.

Auf die Frage, welche Gründe es für den Abstieg gegeben haben könnte, zuckt Domnowski die Schulter. „Fünf Trainer haben es in der Saison 2020/2021 nicht geschafft, eine Mannschaft zu formen. Schalke hat immer von einem ‚Klo‘ ins nächste gefasst und eigentlich auch immer die schlechtere Entscheidung getroffen.“

Doch die Domnowskis wären nicht richtige Fans, wenn sie ihren Club jetzt hängenlassen würden. „Es hat auch seine Vorteile, in der 2. Liga zu spielen. Unser Pay TV Paket für die 1. Bundesliga brauchen wir jetzt nicht mehr, und beim Doppel Pass sind wir nicht mehr Dauerthema. Egal was passiert, wir halten immer zum S04 – in guten und vor allem in schlechten Zeiten. Steht auf, wenn ihr Schalker seid.“

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