Georg Laurenz zeigt eine Silbermünze mit dem Profil Philipp II (um 1580). Foto: Christoph Volkmer
Georg Laurenz zeigt eine Silbermünze mit dem Profil Philipp II (um 1580). Foto: Christoph Volkmer
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Stockum. Eine kleine Münze mit dem Profil eines römischen Würdenträgers gehört zu den archäologischen Fundstücken mit Seltenheitswert, die Landwirt Georg Laurenz vom Hof Schulze Blasum in Stockum in seiner Sammlung archäologischer Relikte hütet.

Dass das eher unscheinbare rotbraune Geldstück, gefunden im westfälischen Ackerboden, eine mehr als zweitausendjährige Zeitreise hinter sich hat, macht sie zweifelsohne interessant. „Sie stammt wohl aus der Zeit von 80 bis 150 Jahre vor Christus“, berichtete Georg Laurenz im Gespräch mit WERNEplus über den Fund.

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Und nicht nur das: Eine Silbermünze mit dem Portrait des spanischen Königs Philipp II (um 1580) und weitere Silbermünzen aus ottonischer Zeit um 1000 hat er ebenso entdeckt wie einige Buntmetall- und Emaille-Fibeln. Darunter ist eine Gewandnadel mit Kreuzsymbol, die ihren Träger in der Zeit des achten bis zehnten Jahrhunderts als Christen identifizierte.

Ferner kamen Bleiröllchen-Gewichte – etwa zum Beschweren von Fischernetzen – oder Alltagsgegenstände aus der Eisenschmiede ans Tageslicht, als dem Sammler mit geschultem Blick für archäologische Relikte 2020 ein Zufall in die Hände spielte. Denn die Verlegung einer Erdgasleitung der Open Grid Europe von Stockum nach Hamm sollte auch über rund 1.000 Meter des Blasumer Hofes führen. Georg Laurenz reagierte sofort und informierte die Archäologen der Bodendenkmalpflege des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Olpe über die bevorstehenden Bodenarbeiten und seine Vermutung, dass hier archäologische Relikte schlummern könnten.

So kam es, dass im Auftrag der LWL-Archäologie das Grabungsunternehmen Eggenstein Exca aus Dortmund tätig wurde. Sechs Mitarbeiter der Spezialfirma untersuchten an elf Tagen von April bis in den Sommer den Boden nach Siedlungs- oder Handwerkspuren vergangener Jahrhunderte. Und wurden fündig: So deuten handwerklich gefertigte Bleistücke mit Löchern, aber auch Bleireste, wie sie beim Bleigießen in der Silvesternacht unserer Tage in bizarren Formen entstehen, auf den Standort einer Bleimanufaktur (1./2. Jahrhundert nach Christus) hin. „Das wäre die einzige nördlich der Lippe, aber das weiß man noch nicht genau“, verweist Georg Laurenz auf etliche Fragezeichen, die sich derzeit noch um seine Fundstücke und die des Grabungsunternehmens ranken.

Teil 2 folgt im Laufe des Tages.

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