Montag, September 26, 2022

Pater Tobias wird 80: Leben für eine Spiritualität der Einfachheit

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Wer­ne. An sich hat­te Pater Tobi­as Link sei­nen 80. Geburts­tag mit sei­ner Fami­lie im Tau­ber­tal fei­ern wol­len. Doch die anhal­ten­den Lock­down-Bestim­mun­gen machen das unmög­lich. So wird der Kapu­zi­ner­pa­ter sein neu­es Lebens­jahr im Rah­men eines nor­ma­len Got­tes­diens­tes am heu­ti­gen Sonn­tag (28. März) begehen.

Gebo­ren wur­de Pater Tobi­as Link am 28. März 1941 in Lau­den­bach, einem „sehr schö­nen klei­nen“ Dorf zwi­schen Bad Mer­gen­theim und Creg­lin­gen. Hier, inmit­ten von Wein­hän­gen und einer idyl­li­schen Fluss­land­schaft, wuchs der Kapu­zi­ner auf, als zweit­jüngs­tes von sie­ben Kin­dern, getauft auf den Namen Hubert. „Mein Vater war Jäger und woll­te einen Huber­tus unter sei­nen Kin­dern haben“, erin­nert sich Pater Tobi­as. Wenn er von dem Ort sei­ner Kind­heit spricht, dann fällt immer wie­der das Wort „Hei­mat“. Sein Ordens­le­ben hat ihn längs durch Deutsch­land an die unter­schied­lichs­ten Sta­tio­nen geführt. Doch Lau­den­bach blieb Heimat.

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„Es gibt dort eine wun­der­ba­re Dorf­kir­che und eine sehr sehens­wer­te Wall­fahrts­kir­che“, schwärmt Pater Tobi­as. In der Dorf­kir­che St. Mar­ga­re­ta beging er im ver­gan­ge­nen Jahr sein gol­de­nes Pries­ter­ju­bi­lä­um. Fünf Sakra­men­te hat er in der neu­go­ti­schen Kir­che emp­fan­gen: Tau­fe, Beich­te, Kom­mu­ni­on, Fir­mung und die Pries­ter­wei­he. Die Gegend sei­ner Kind­heit und Jugend weck­te außer­dem sei­ne Lie­be zur Kunst – nicht zuletzt dank der wun­der­ba­ren Schnitz­al­tä­re des spät­go­ti­schen Künst­lers Til­man Rie­men­schnei­der in Creg­lin­gen und Rothen­burg ob der Tau­ber. Bis heu­te malt und foto­gra­fiert Pater Tobi­as lei­den­schaft­lich gern. Und nutzt die­se Fer­tig­kei­ten auch für sei­ne Medi­ta­tio­nen. Aktu­ell hat er ein Lebens­baum-Modell mit Bild­me­di­ta­ti­on in der Klos­ter­kir­che installiert.

Ein toter Ast von einem noch blühenden Apfelbaum aus dem Klostergarten inspirierte Pater Tobias Link zu dieser österlichen Meditationsinstallation in der Klosterkirche. Foto: Schwarze
Ein toter Ast von einem noch blü­hen­den Apfel­baum aus dem Klos­ter­gar­ten inspi­rier­te Pater Tobi­as Link zu die­ser öster­li­chen Medi­ta­ti­ons­in­stal­la­ti­on in der Klos­ter­kir­che. Foto: Schwarze

Sei­ne Schul­bil­dung erhielt Hubert Link als Inter­ner auf das bischöf­li­che Inter­nat in Bad Mer­gen­theim. „Von Lau­den­bach wäre der täg­li­che Schul­weg zu müh­sam gewe­sen. Außer­dem hät­te ich als eines von sie­ben Kin­dern zu Hau­se kein eige­nes Zim­mer zum Ler­nen gehabt.“ Durch Fami­lie und Schu­le katho­lisch geprägt, fand Hubert Link über die Kapu­zi­ner zum Ordens­le­ben. Ihre Spi­ri­tua­li­tät der Schlicht­heit zog ihn an. Die Eltern reagier­ten unter­schied­lich auf die Ent­schei­dung des Soh­nes. „Mei­ne Mut­ter war sehr ange­tan, mein Vater mein­te, ich sei alt genug und müs­se wis­sen, was ich tue“, erin­nert sich der 79-Jährige.

Die Ordens­re­geln sei­en zu jener Zeit stren­ger gewe­sen als heu­te. Er muss­te sich eine Ton­sur schnei­den und einen lan­gen Bart wach­sen las­sen; die Klau­sur­vor­schrif­ten wur­den strikt befolgt. „Als mei­ne Mut­ter mich zu mei­ner ers­ten Pro­fess besu­chen woll­te, durf­te sie nur ins Sprech­zim­mer“, erzählt Pater Tobi­as. Und auf ihre Fra­ge nach der nächs­ten Besuchs­mög­lich­keit habe es gehei­ßen: „In sie­ben Jah­ren.“ Erst mit dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil hät­ten sich die Regeln gelockert.

„Letzt­lich weiß man nie, was auf einen zukommt, ob es sich nun um einen Orden oder eine Ehe handelt.“

Pater Tobi­as zu den Ordensregeln

„Letzt­lich weiß man nie, was auf einen zukommt, ob es sich nun um einen Orden oder eine Ehe han­delt“, meint Pater Tobi­as. „Aber die Schwie­rig­kei­ten muss man dann durch­hal­ten, man muss sich durch­set­zen und manch­mal auch Din­ge erlei­den.“ Schließ­lich sei jede Ordens­ge­mein­schaft anders. „Und wie eine Bekann­te ein­mal zu mir sag­te: ‚Es men­schelt bis ins Him­mel­reich’“, erklärt der Pater augen­zwin­kernd. Im Lau­fe sei­nes Lebens lern­te er, los­zu­las­sen und sich auf Neu­es ein­zu­stel­len. Die Ordens­lei­tung berief ihn nach Ober­hau­sen, Müns­ter, Bad Mer­gen­theim und Stüh­lin­gen. „Eine Kon­stan­te sind mei­ne Bücher, die neh­me ich immer mit“, sagt der Kapuziner.

Vor fünf Jah­ren kam er nach Wer­ne, wo er sich inzwi­schen gut ein­ge­wöhnt hat. Jetzt, wäh­rend des Lock­downs, feh­len ihm jedoch die Kon­tak­te zu Men­schen außer­halb des Klos­ters, die er für sehr wich­tig hält. „Das ist ja das Schö­ne an mei­ner Beru­fung, mit Men­schen zusam­men­zu­kom­men.“ Ganz prak­tisch ver­misst er außer­dem sei­ne Herz­sport­grup­pe, der er sich ange­schlos­sen hat, um etwas für sei­ne Gesund­heit zu tun. Auf der ande­ren Sei­te hat er jetzt mehr Zeit zum Lesen, Beten und Arbei­ten. „Ich bin ein­fach guten Mutes, dass es noch län­ger wei­ter­geht mit mei­ner Tätigkeit.“

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