Freitag, März 31, 2023

Luftfilter in Schulen: In Werne besteht keine Notwendigkeit

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Wer­ne. Der Ruf aus der Poli­tik nach einer flä­chen­de­cken­den Aus­stat­tung von Schul­räu­men mit mobi­len Luft­fil­ter­ge­rä­ten zur Ein­däm­mung der Coro­na-Pan­de­mie wird im bevor­ste­hen­den Herbst lau­ter. Dies geschieht aktu­ell vor dem Hin­ter­grund eines beson­ders in Nord­rhein-West­fa­len rasan­ten Anstiegs der Inzi­denz­zah­len, die bereits wie­der im drei­stel­li­gen Bereich lie­gen. In Wer­ne wer­den aber kei­ne Gerä­te ange­schafft. Das hat am Diens­tag (31. August) der Aus­schuss für Schu­le und Sport entschieden.

Das Umwelt­bun­des­amt hat die Schul­räu­me nach innen­raum­hy­gie­ni­scher Sicht in drei Kate­go­rien eingeteilt.

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Kate­go­rie 1: Räu­me mit guter Lüf­tungs­mög­lich­keit, in denen es raum­luft­tech­ni­sche Anla­gen (LT- Anla­gen) gibt oder in den Fens­ter weit zu öff­nen sind;

Kate­go­rie 2: Räu­me mit ein­ge­schränk­ter Lüf­tungs­mög­lich­keit, in denen es kein RLT-Anla­gen gibt oder Fens­ter nur auf „Kipp“ zu öff­nen sind;

Kate­go­rie 3: nicht zu belüf­ten­de Räume.

Für Räu­me der Kate­go­rie 1 ist laut Umwelt­bun­des­amt dem­nach der Ein­satz von RLT-Anla­gen nicht not­wen­dig. Räu­me der Kate­go­rie 3 sind aus innen­raum­hy­gie­ni­scher Sicht nicht für den Unter­richt zu empfehlen.

Ledig­lich für Räu­me der Kate­go­rie 2 sieht das Umwelt­bun­des­amt in den mobi­len Luft­fil­tern aller­dings eine Alter­na­ti­ve als Ergän­zung der übli­chen Coro­na-Schutz­maß­nah­men (Abstand, Hygie­ne, Alltagsmasken/Atemschutz, Lüf­ten). Nach grund­sätz­li­cher Auf­fas­sung des Umwelt­bun­des­am­tes und des Robert-Koch-Insti­tuts (RKI) rei­chen mobi­le Luft­fil­ter näm­lich nicht aus, um wir­kungs­voll über die gesam­te Unter­richts­dau­er Schwe­be­par­ti­kel – zum Bei­spiel Viren – aus der Raum­luft zu ent­fer­nen, weil die Luft ledig­lich gefil­tert und nicht kom­plett aus­ge­tauscht wird.

In der Stadt Wer­ne gibt es bei zwei neu­en Schul­ge­bäu­den mit Lüf­tungs­sys­te­men (Wiehagenschule/ Mar­ga-Spie­gel-Schu­le) kei­ne Not­wen­dig­keit, mobi­le Anla­gen ein­zu­set­zen. In den ande­ren Schul­ge­bäu­den bestehe laut Aus­kunft von Kath­rin Köt­ter vom Schul­ver­wal­tungs­amt durch­gän­gig die Mög­lich­keit, durch Lüf­ten die Räu­me mit Frisch­luft zu ver­sor­gen. Gelüf­tet wer­den müs­se im Abstand von 20 Minu­ten tem­pe­ra­tur­ab­hän­gig für jeweils 5 bis 10 Minu­ten, hieß es ferner.

In einem Antrag an den Schul­aus­schuss der Stadt Wer­ne for­der­te Mar­tin Pausch, Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der Die Lin­ke, hin­ge­gen, Luft­rei­ni­ger mit der Fil­ter­klas­se HEPA (H13 bzw. H14) für alle Schul­klas­sen ab der Grund­schu­le bis zu den wei­ter­füh­ren­de Schu­len schnellst­mög­lich anzu­schaf­fen, spä­tes­tens aber bis zu den Win­ter­fe­ri­en. Zur Begrün­dung ver­weist Pausch auf ver­schie­de­ne Insti­tu­tio­nen wie etwa das Goe­the Insti­tut zu Frank­furt oder die Uni­ver­si­tät der Bun­des­wehr in Mün­chen, die die Luft­fil­ter in unab­hän­gi­gen Stu­di­en getes­tet hät­ten. „Wei­ter wur­de fest­ge­stellt, dass die Geräu­sche des Luft­rei­ni­gers – sofern die­ser nicht auf der höchs­ten Stu­fe läuft – über­wie­gend als nicht stö­rend emp­fun­den wur­de“, schreibt er.

„Wir ver­mei­den dadurch nicht das Lüften!”

Rats­frau Uta Lei­sen­tritt (CDU) in der Dis­kus­si­on um die Anschaf­fung von Luft­fil­ter­ge­rä­ten für die städ­ti­schen Schulen.

Frank Ada­mietz, Lei­ter des Kom­mu­nal­be­triebs Wer­ne (KBW), eröff­ne­te die Dis­kus­si­on im Aus­schuss mit der Aus­sa­ge: „Wir sehen kei­ne Not­wen­dig­keit.“ Auf­grund der Vor­ga­ben und der bau­li­chen Situa­ti­on kamen Schul­ver­wal­tungs­amt und KBW zu die­sem Ergeb­nis. Uta Lei­sen­tritt (CDU) bemerk­te, dass mit Blick auf die Kate­go­ri­sie­rung der Räu­me über­haupt kei­ne För­der­mit­tel flie­ßen wür­den. Andre­as Schüt­te (Die Lin­ke) ver­tei­dig­te den Antrag sei­ner Frak­ti­on: „Es darf nicht an der Finan­zie­rung schei­tern. Das sind wir den Kin­dern schuldig.“

Rolf Weiß­ner (CDU), selbst Leh­rer an einer Schu­le in Hamm, sprach aus der Pra­xis: „Wir haben die mobi­len Fil­ter, doch die lau­fen kaum, weil die Gut­ach­ten sagen, dass sie nicht not­wen­dig seien.“

Die FDP mit Tan­ja Zim­mer­mann unter­stütz­te den Antrag der Lin­ken mit Ver­weis auf den Win­ter und für Räu­me, wo Klau­su­ren geschrie­ben wer­den. „Dass die Luft­fil­ter­an­la­gen nicht för­der­fä­hig sind, darf kein Argu­ment sein“, sag­te sie. Uta Lei­sen­tritt ent­geg­ne­te: „Aber wir ver­mei­den dadurch nicht das Lüften.“ 

Der Antrag wur­de im Aus­schuss mit gro­ßer Mehr­heit abgelehnt.

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