Luftfilter dürfen das regelmäßige Lüften in Klassenräumen nicht ersetzen. So entschieden sich Politik und Verwaltung dagegen, Anlagen für die städtischen Schulen anzuschaffen. Förderprogramme hätten erst gar nicht gegriffen. Foto: Volkmer
Luftfilter dürfen das regelmäßige Lüften in Klassenräumen nicht ersetzen. So entschieden sich Politik und Verwaltung dagegen, Anlagen für die städtischen Schulen anzuschaffen. Förderprogramme hätten erst gar nicht gegriffen. Foto: Volkmer
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Werne. Der Ruf aus der Politik nach einer flächendeckenden Ausstattung von Schulräumen mit mobilen Luftfiltergeräten zur Eindämmung der Corona-Pandemie wird im bevorstehenden Herbst lauter. Dies geschieht aktuell vor dem Hintergrund eines besonders in Nordrhein-Westfalen rasanten Anstiegs der Inzidenzzahlen, die bereits wieder im dreistelligen Bereich liegen. In Werne werden aber keine Geräte angeschafft. Das hat am Dienstag (31. August) der Ausschuss für Schule und Sport entschieden.

Das Umweltbundesamt hat die Schulräume nach innenraumhygienischer Sicht in drei Kategorien eingeteilt.

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Kategorie 1: Räume mit guter Lüftungsmöglichkeit, in denen es raumlufttechnische Anlagen (LT- Anlagen) gibt oder in den Fenster weit zu öffnen sind;

Kategorie 2: Räume mit eingeschränkter Lüftungsmöglichkeit, in denen es kein RLT-Anlagen gibt oder Fenster nur auf „Kipp“ zu öffnen sind;

Kategorie 3: nicht zu belüftende Räume.

Für Räume der Kategorie 1 ist laut Umweltbundesamt demnach der Einsatz von RLT-Anlagen nicht notwendig. Räume der Kategorie 3 sind aus innenraumhygienischer Sicht nicht für den Unterricht zu empfehlen.

Lediglich für Räume der Kategorie 2 sieht das Umweltbundesamt in den mobilen Luftfiltern allerdings eine Alternative als Ergänzung der üblichen Corona-Schutzmaßnahmen (Abstand, Hygiene, Alltagsmasken/Atemschutz, Lüften). Nach grundsätzlicher Auffassung des Umweltbundesamtes und des Robert-Koch-Instituts (RKI) reichen mobile Luftfilter nämlich nicht aus, um wirkungsvoll über die gesamte Unterrichtsdauer Schwebepartikel – zum Beispiel Viren – aus der Raumluft zu entfernen, weil die Luft lediglich gefiltert und nicht komplett ausgetauscht wird.

In der Stadt Werne gibt es bei zwei neuen Schulgebäuden mit Lüftungssystemen (Wiehagenschule/ Marga-Spiegel-Schule) keine Notwendigkeit, mobile Anlagen einzusetzen. In den anderen Schulgebäuden bestehe laut Auskunft von Kathrin Kötter vom Schulverwaltungsamt durchgängig die Möglichkeit, durch Lüften die Räume mit Frischluft zu versorgen. Gelüftet werden müsse im Abstand von 20 Minuten temperaturabhängig für jeweils 5 bis 10 Minuten, hieß es ferner.

In einem Antrag an den Schulausschuss der Stadt Werne forderte Martin Pausch, Fraktionsvorsitzender Die Linke, hingegen, Luftreiniger mit der Filterklasse HEPA (H13 bzw. H14) für alle Schulklassen ab der Grundschule bis zu den weiterführende Schulen schnellstmöglich anzuschaffen, spätestens aber bis zu den Winterferien. Zur Begründung verweist Pausch auf verschiedene Institutionen wie etwa das Goethe Institut zu Frankfurt oder die Universität der Bundeswehr in München, die die Luftfilter in unabhängigen Studien getestet hätten. „Weiter wurde festgestellt, dass die Geräusche des Luftreinigers – sofern dieser nicht auf der höchsten Stufe läuft – überwiegend als nicht störend empfunden wurde“, schreibt er.

„Wir vermeiden dadurch nicht das Lüften!“

Ratsfrau Uta Leisentritt (CDU) in der Diskussion um die Anschaffung von Luftfiltergeräten für die städtischen Schulen.

Frank Adamietz, Leiter des Kommunalbetriebs Werne (KBW), eröffnete die Diskussion im Ausschuss mit der Aussage: „Wir sehen keine Notwendigkeit.“ Aufgrund der Vorgaben und der baulichen Situation kamen Schulverwaltungsamt und KBW zu diesem Ergebnis. Uta Leisentritt (CDU) bemerkte, dass mit Blick auf die Kategorisierung der Räume überhaupt keine Fördermittel fließen würden. Andreas Schütte (Die Linke) verteidigte den Antrag seiner Fraktion: „Es darf nicht an der Finanzierung scheitern. Das sind wir den Kindern schuldig.“

Rolf Weißner (CDU), selbst Lehrer an einer Schule in Hamm, sprach aus der Praxis: „Wir haben die mobilen Filter, doch die laufen kaum, weil die Gutachten sagen, dass sie nicht notwendig seien.“

Die FDP mit Tanja Zimmermann unterstützte den Antrag der Linken mit Verweis auf den Winter und für Räume, wo Klausuren geschrieben werden. „Dass die Luftfilteranlagen nicht förderfähig sind, darf kein Argument sein“, sagte sie. Uta Leisentritt entgegnete: „Aber wir vermeiden dadurch nicht das Lüften.“  

Der Antrag wurde im Ausschuss mit großer Mehrheit abgelehnt.

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