Demonstrativ stellen sich Anwohner/innen der Hausnummern 11 und 13 auf den Geweg an der Lünener Straße. Hier kam es durch rücksichtsloses Verhalten einer E-Bike-Fahrerin zu einem schweren Zusammenstoß mit einer Fußgängerin. Die Mauer mit Bepflanzung sorgt für zusätzliche Gefahr. Foto: Wagner
Demonstrativ stellen sich Anwohner/innen der Hausnummern 11 und 13 auf den Geweg an der Lünener Straße. Hier kam es durch rücksichtsloses Verhalten einer E-Bike-Fahrerin zu einem schweren Zusammenstoß mit einer Fußgängerin. Die Mauer mit Bepflanzung sorgt für zusätzliche Gefahr. Foto: Wagner
Anzeige

Werne. Fast auf den Tag genau vor einem Monat wurde K. Olk beim Besuch ihrer Mutter von einer E-Bike-Fahrerin regelrecht über den Haufen gefahren. Nun will die 60-Jährige auf die Missstände an der Lünener Straße hinweisen und alle Verkehrsteilnehmenden wachrütteln. Unterstützung erfährt sie dabei von vielen Anwohnern der Mehrparteienhäuser Nr. 11 und 13.  

Am 29. Juli 2021 trat sie auf den Gehweg, drehte sich nach links und wurde Sekunden später von einem E-Bike erfasst. Olk stürzte mit dem Kopf auf das Pflaster und zog sich schwere Gesichtsverletzungen zu. Unfallverursacherin war nach Auskunft der Kreispolizeibehörde eine 49-Jährige aus Werne, die mit ihrem Zweirad auf dem Bürgersteig unterwegs war und das auch noch in verkehrter Fahrtrichtung. „Sie wollte zur Querungshilfe kurz vor der Bäckerei“, berichtet Polizei-Sprecher Bernd Pentrop.

Anzeige

Das Unfallopfer musste mit dem Rettungswagen in eine Unfallklinik nach Dortmund gebracht werden, wo Ärzte ihren Nasenbeinbruch behandelten und die Lippe mehrfach nähen mussten. „Damit meine Schmerzen nicht umsonst sind, möchte ich auf zahlreiche Gefahrenpunkte hinweisen“, sagt sie.

Auf der stark frequentierten Lünener Straße – Tempo 50 ist erlaubt – sei es besonders stadteinwärts durch zu schnelles Fahren der Lkw und Pkw brandgefährlich für Radfahrer. Diese weichen daher sehr häufig auf den Gehweg aus, ein Radweg existiert nicht. Zudem verengen parkende Autos die Fahrbahn, haben Anwohner wie der pensionierte Polizeibeamte Heinz Raab festgestellt. „Ich wohne in dem Haus seit 2015, immer wieder kommt es zu brenzligen Situationen. Das Problem ist die hohe Geschwindigkeit, mit der die Fahrzeuge hier vorbei fahren. Die Radfahrer weichen aus, verhalten sich dann aber genauso rücksichtslos wie die, vor denen sie auf den Gehweg geflüchtet sind“, beklagt der Mitt-Siebziger.

Heißt: Das Rad wird nicht geschoben, sondern munter weiter gefahren. Rund 40 Verstöße haben die Anwohner/innen der Hausnummern 11 und 13 gezählt. Und tatsächlich, kommen während des 30-minütigen Ortstermins gleich mehrere Radler/innen fahrend auf dem Gehweg – nicht selten recht flott – vorbei. „Oft werden wir noch beschimpft, wenn wir sie auf ihr Fehlverhalten hinweisen“, so Heinz Raab weiter.  

Neidisch blicken die Betroffenen nach rechts. Wenige hundert Meter weiter wird die Straße vom Steintor bis zum Hansaring zur Gemeindestraße. Tempo 30 gilt nun hier. Mehr Kontrollen der Polizei wünschen sich die Anwohner/innen, ebenfalls Tempo 30 oder gar einen Rückbau der Straße oder zumindest auskömmliche Radwege.

Den Abschnitt vom Steintor bis zum Kreisverkehr in Lenklar (Lünener Straße) hat das Land als Fortführung der L-507 (Kurt-Schumacher/Steinstraße) übernommen. Auch diese Tatsache lässt auf wenig Veränderungen hoffen. Polizei-Sprecher Bernd Pentrop erläutert: „Zugegeben: Die Situation ist dort, auch aufgrund von vielen parkenden Autos, schwierig. Aber die Unfallzahlen geben einfach nicht her, dass wir dort mehr kontrollieren müssten.“ Als einen weiteren Faktor für die Gefahren, die Fußgängern in dem Straßenabschnitt drohen, sieht Pentrop auch die Mauer samt Begrünung an den Mehrfamilienhäusern. Diese nimmt den Menschen, die in den Wohnungen leben, tatsächlich deutlich die Sicht.  

Für Unfallopfer Olk und ihre Mutter, Heinz Raab und den vielen anderen Anwohnern bleibt vorerst nur der eindringliche Appell an die Radfahrer: „Bitte steigen Sie ab und schieben Sie Ihr Rad auf dem Gehweg!“

Anzeige