Dienstag, Mai 17, 2022

Kalte und verschimmelte Wohnung macht kleinen Ryan krank

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Wer­ne (hps). Ali­re­za Sheikhi­an (33), Fati­ma Has­h­emi­an (38) und ihr ein Jahr alter Sohn Ryan leben in einer feuch­ten, ver­schim­mel­ten und kaum beheiz­ba­ren Woh­nung in Wer­ne, die den Spröss­ling krank gemacht hat.

Die Eltern sind aner­kann­te Geflüch­te­te aus dem Iran. Bei­de arbei­ten in einem Senio­ren­heim in der Stadt. Jetzt sucht die Fami­lie drin­gend nach einer neu­en Woh­nung. Die Haus­ver­wal­tung hat bis­lang die Beschwer­den über die bau­li­chen Män­gel in der Woh­nung fast aus­nahms­los ignoriert.

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Die Luft in der Woh­nung riecht nach Moder und Schim­mel. Es ist eis­kalt. Im gro­ßen hel­len Raum, der eigent­lich als Wohn­zim­mer die­nen soll­te, ste­hen ein paar Pols­ter­stüh­le um einen Tisch. Auf den ers­ten Blick sieht die Sze­ne recht ein­la­dend aus. Doch die­ser ers­te Ein­druck täuscht. Die Raum­luft ist feucht. Die Pols­ter der Stüh­le sind eben­falls feucht. An den bei­den Fens­tern rinnt auf der Innen­sei­te das Kon­dens­was­ser herunter.

Der klei­ne Jun­ge wur­de an die­sem Mitt­woch ein Jahr alt. Er hus­tet seit eini­gen Wochen. Die Bron­chi­en, sagt der Arzt, sei­en ange­grif­fen. Statt Spiel­zeug liegt ein Inha­lier­ge­rät immer griffbereit.

Die 460 Euro Monats­mie­te kön­nen die Eltern aus eige­ner Tasche bestrei­ten. Bis­her haben sie die vol­le Mie­te bezahlt und schon kurz nach ihrem Ein­zug der ost­tdeut­schen Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft die Pro­ble­me mit der Hei­zung mit­ge­teilt. Gesche­hen ist bis heu­te, kurz vor Weih­nach­ten, so gut wie nichts.

Wenn Tech­nik und Haus­ver­wal­tung ver­sa­gen, muss ein gutes, altes Kle­be­band den Elek­tro-Heiz­kör­per zusam­men­hal­ten. Foto: Steinmüller

Im Auf­trag der Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft hat ein Sani­tär­be­trieb der Fami­lie ledig­lich Heiz­lüf­ter zur Ver­fü­gung gestellt. Doch damit ist das Pro­blem nicht gelöst. Ali­re­za Sheikhi­an berich­tet: „Wir kön­nen nur einen der Heiz­lüf­ter anschlie­ßen, sobald wir gleich­zei­tig den zwei­ten in einem ande­ren Raum ein­schal­ten, fliegt die Siche­rung raus.“ Fazit: Nur einer der drei Räu­me in der 72-Qua­drat­me­ter-Woh­nung ist der­zeit beheiz­bar. Hier spielt sich dann auch ein Groß­teil des All­tags der Fami­lie ab. Außer­halb die­ses Rau­mes in der rest­li­chen Woh­nung muss der klei­ne Ryan mit Müt­ze, Ano­rak und dicker Hose so ange­zo­gen sein, als wäre er im Frei­en. Mut­ter Fati­ma ist besorgt: „Der Klei­ne kommt jetzt ins Krab­bel­al­ter. Die Fuß­bö­den sind kalt und feucht.“

Zuhau­se im Iran gehör­ten die heu­ti­gen Geflüch­te­ten zur gut­ver­die­nen­den Mit­tel­schicht. Bei­de haben aner­kann­te Uni­ver­si­täts­ab­schlüs­se und arbei­te­ten als Inge­nieu­re. Wegen ihres christ­li­chen Glau­bens sahen sie sich zur Flucht gezwun­gen. Mit­neh­men konn­ten sie nur die wich­tigs­ten Papie­re und ande­re per­sön­li­che Hab­se­lig­kei­ten. Das war 2017. 

Seit 2018 lebt das Ehe­paar in Wer­ne. Hier haben sie im Sport­ver­ein Hockey United und in der Christ­li­chen Gemein­de (Wald­stra­ße) Freun­de und Hel­fer in der gegen­wär­ti­gen Situa­ti­on gefunden.

In Wer­ne ist es der­zeit nicht leicht, eine Woh­nung zu fin­den. Andre­as Peters von der Christ­li­chen Gemein­de: „Das ändert aber nichts dar­an, dass die Leu­te so schnell wie mög­lich aus ihrer heu­ti­gen Woh­nung raus müs­sen.“ Die Hoff­nung der Fami­lie und ihrer Hel­fer besteht dar­in, auf dem Weg an die Öffent­lich­keit eine bezahl­ba­re Ersatz­woh­nung  im Kern­stadt­be­reich zu finden. 

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