Jutta und Bruno Gimmel engagierten sich jahrzehntelang für Kinder in Myanmar. Foto: Gaby Brüggemann
Jutta und Bruno Gimmel engagierten sich jahrzehntelang für Kinder in Myanmar. Foto: Gaby Brüggemann
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Werne. Myanmar, ehemals Burma, liegt weit entfernt an den südlichen Ausläufern des Himalaya, grenzt an Bangladesch und Indien, die Volksrepublik China, Laos und Thailand. Weit entfernt? Zumindest nicht für Bruno und Jutta Gimmel aus Werne, ihnen ist das Land am Golf von Bengalen vielmehr sehr nah – auch wenn der räumliche Abstand tausende von Kilometern umspannt.

Denn mit ihrem 2002 gegründetem „Projekthilfe Südostasien e.V.“ haben die Eheleute in ehrenamtlicher Initiative bis 2015 die enorme Summe von mehr als eine Million Euro Spenden generiert. In Werne, ganz Deutschland und mit finanzieller Hilfe des Bundesministeriums für Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) wurden die Spenden zusammengetragen, die zu 100 Prozent in Myanmar und Vietnam vornehmlich in den Bau von Schulen und Schlafhäusern für Kinder flossen. Auch die Verwendung der Gelder vor Ort haben beide bei jährlichen Besuchen kontrolliert.

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Als die Gimmels ihren Verein Ende 2015 schweren Herzens auflösen, fällt es ihnen nicht leicht. Zu dem Zeitpunkt wurden in einem Gebiet rund 200 Kilometer entfernt von Rangun sechs Kinderheime mit 1.600 Kindern von ihnen unterstützt. Und nicht nur das: Zahlreiche Patenschaften, vermittelt durch die Initiative des Ehepaares, ermöglichten vielen Kindern den Zugang zu Unterkunft und Schulunterricht. Das sorgte neben der immens wichtigen strukturellen Hilfe auch für viele persönliche Kontakte mit den Patenkindern und Menschen vor Ort.

Viele Reisen unternahm das Ehepaar aus Werne seit 1988 in das asiatische Land und unterstützte durch Spendensammlungen tatkräftig Kinderheime. Foto: Privat

„Schade, dass der Verein nicht weitergeführt wurde, wir haben leider keinen jüngeren Nachfolger gefunden“, bedauert Bruno Gimmel im Gespräch mit WERNEplus und Ehefrau Jutta nickt zustimmend.

Erstmals reiste das Ehepaar 1988 nach Burma. Damals kamen höchstens 1000 Touristen im Jahr, berichtet Jutta Gimmel von einer ersten Urlaubsreise nach Südostasien. Mit einem Besuch 1994 in Vietnam nahm das ehrenamtliche Engagement der Eheleute seinen Anfang. Ein Franziskaner-Pater in Saigon berichtete von der Not der Kinder. „Die Babys wurden den Mönchen oft vor die Klostertür gelegt.“

Beim Blick in ein Kinderheim spontan gehandelt

Als beide bei einer Reise nach Burma im Jahr 2000 „mitten im Nirgendwo“, wie Bruno Gimmel sagt, ein Kinderheim zu Gesicht bekommen, in dem die Kinder auf dem Boden schlafen, handeln sie spontan und kaufen Decken, die sie dort abgeben lassen. „Ein Jahr später waren wir wieder hier, es gab keine Wasserleitung, Krankheiten und die Kinder hatten geschorene Köpfe“, beschreiben sie die Situation. Damals haben sie auf eigene Rechnung einen Brunnen bohren lassen: „Den gibt es heute noch.“ Der Staat nehme Geld für die Primary-Schools. Oft ließen Eltern ihre Kinder auch aus Not zurück und die buddhistischen Mönche übernehmen die Aufgabe des Staates.

Seit 1988 habe es in Burma drei Militärrevolten gegeben. Bis zum Jahr 2013 etwa stellte eine finanzielle Blockade des Landes durch die USA und Europa die Projekthilfe vor die Notwendigkeit, die gespendeten Gelder persönlich zu überbringen. „Wir waren gezwungen eine große Menge Geld zu transportieren, das wir beim Zoll angegeben haben. Weil das Bargeld ja in Burma blieb, sei das möglich gewesen. Mal ganz abgesehen von Begleiterscheinungen wie dem feuchtwarmen Monsunklima sorgte dies für einige Aufregung: „Dann sind wir mit dem Taxi ins Hotel“, berichtet Jutta Gimmel von einer brisanten Fahrt mit glücklichem Ausgang.

Die Kinder in Myanmar waren stets dankbar über die großzügige Unterstützung der Gimmels. Foto: Privat

Die aktuellen Nachrichten aus Myanmar dagegen sind für das Ehepaar schwer zu ertragen. Am 1. Februar putschte das Militär und stürzte die gewählte Regierung mit Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi an der Spitze. Massenproteste gegen das Militär wurden seither mit Gewalt unterdrückt und hunderte Demonstranten getötet. Nach dem Putsch habe das Militär in einer ersten Amtshandlung die Gefängnisse geöffnet. Das habe eine schreckliche Wirkung auf die Zivilbevölkerung, Diebstahl und Mord seien die Folge, schildert Jutta Gimmel.

Lohn der guten Taten

Bis heute gibt es persönliche Kontakte der Beiden nach Myanmar und Vietnam, wo die Projekthilfe die Einrichtungen des Franziskaner-Paters Bosco unterstützte. In Vietnam lernte das Ehepaar auf Vermittlung des Franziskaner-Paters auch die damals fünfjährige Bao Di kennen. Sie übernahmen die Patenschaft, finanzierten Schule, Zahnspange, Sprachkurse etc. und zeigten „unserer Tochter“, wie Jutta Gimmel sagt, bei Reisen und Ausflügen ihr Land.

Der Lebensweg der heute 32-Jährigen ist fraglos Lohn der guten Tat. Bao Di habe schnell Englisch gelernt, den Bachelor gemacht, ist bei der Firma KPMG in Saigon (weltweites Netzwerk von Unternehmen der Wirtschaftsprüfung etc.) angestellt, berichten beide stolz.

Als der Verein Ende 2015 abgewickelt wird, bedankte sich Bruno Gimmel bescheiden bei den Werner Unterstützern „Wir fühlen uns geehrt, dass wir so viele Spenden erhalten haben.“ Und was bleibt beim Blick in den Rückspiegel auf die vielen Jahre des Engagements?, lautet zum Schluss die Frage. „Dass es richtig war“, antwortet Jutta Gimmel prompt und diesmal nickt ihr Mann zustimmend.

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