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Werne/Milwaukee. Im Sommer gemütlich in der Eisdiele zu sitzen oder sich zum Kaffee zu treffen: Das vermisst Julia Klinge, die seit 20 Jahren in Wisconsin (USA) lebt, wenn sie an Werne denkt; und natürlich Sim-Jü, Weihnachtsmarkt und Co. Im fernen Amerika verfolgt die 44-Jährige das Geschehen in Werne vor allem über WERNEplus im Internet. Die große Spaltung der Bevölkerung in ihrer Wahlheimat durch die Präsidentschaft von Donald Trump bereitet ihr Sorge.

Im Zuge eines Studentenaustausch mit der Milwaukee School of Engineering beendete Julia Klinge ihr Ingenieurs-Studium in den USA. Sie bewarb sich vor Ort, um noch ein bisschen Auslandserfahrung im Beruf zu sammeln. „Und plötzlich ist das über 20 Jahre her“, lacht die Wernerin. Als Frau in einem eigentlichen Männerberuf ergaben sich tolle Chancen. Inzwischen ist sie Teamleiterin in der Produktentwicklung bei General Electric, einem der weltweit größten Konzerne. „Das hätte ich mir nie erträumen lassen“, sagt sie.

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Julia Klinge lebt in Waukesha, einem Vorort der Hauptstadt Milwaukee, der etwas mehr als doppelt so viele Einwohner wie Werne hat. Dort besucht ihr drei Jahre alter Sohn einen Kindergarten mit überdurchschnittlichen Anteil an Africa-American-Kindern. „Wir fühlen uns da pudelwohl, machen uns aber große Sorgen um unsere Freunde“, spricht die Ingenieurin den Rassismus in dem Bundesstaat an.

Malerisch schön ist es in Milwaukee. Die Stadt liegt am Michigansee, aber auch in der Umgebung von „Lake Country“ gibt es viele Möglichkeiten zum Wassersport. Foto: Klinge

Zur Erinnerung: Im keine 100 Kilometer entfernten Kenosha schoss im August 2020 ein Polizist dem Schwarzen Jacob Blake sieben Mal in den Rücken. Es folgten Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus mit zwei toten Demonstranten. „Die Unruhen haben wir auch hier gespürt. Mich stört entsetzlich, dass man so wenig aus jedem der vorherigen Fälle gelernt hat“, erinnert Julia Klinge an weitere rassistisch motivierte Gewaltakte in Wisconsin und im ganzen Land.

Sie verweist auf einen Widerspruch in ihrer Wahlheimat. Menschen und Kultur im Großraum Milwaukee sind von italienischen, polnischen, und deutschen Einwanderern geprägt. Es gibt im Sommer jede Woche ein ethnisches Festival. „Ich finde es sehr seltsam, dass Milwaukee andere Kulturen so sehr feiert, und die Stadt gleichzeitig im Rassismus doch so heftig ist“, meint Klinge.

Ein bis zweimal im Jahr kommt sie mit ihrem Sohn in der Regel zurück nach Werne, um ihre Eltern, Bruder mit Familie, Patentante und Freunde zu besuchen. Die Corona-Pandemie machte 2020 einen Strich durch dieses liebgewonnene Ritual. „Ich hoffe, dass es ganz bald wieder klappt“, sagt Julia Klinge.

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