Mittwoch, März 22, 2023

Impfstoff aus dem Lostopf: Hoffen auf Zeit mit den Enkeln

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Wer­ne. Nor­ma­ler­wei­se geht Con­ny Geb­hardt nur für die Fuß­ball- oder Vol­ley­ball­spie­le ihrer Kin­der und Enkel in die Lin­dert­hal­le. Dass sie dort ihre Covid-19-Schutz­imp­fung bekommt, hät­te die 62-Jäh­ri­ge nicht gedacht.

Geb­hardt ist eine der 192 Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, die für die Impf­ak­ti­on ver­gan­ge­nen Sams­tag mit Astra­Ze­ne­ca aus­ge­wählt wur­de. 662 Bewer­bun­gen waren im Los­topf. „Ich hät­te ger­ne jeden Wunsch erfüllt, orga­ni­sa­to­risch hät­ten wir das geschafft“, sagt Dezer­nent Alex­an­der Ruhe von der Stadt­ver­wal­tung. Doch der Impf­stoff wür­de immer sehr spon­tan gelie­fert wer­den und die Nach­fra­ge über­stei­ge bis­her das Ange­bot. Für die Pla­nung einer sol­chen Impf­ak­ti­on habe das Team immer nur weni­ge Tage Zeit.

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Trotz­dem scheint die Stim­mung in der Lin­dert­hal­le ent­spannt und die Ter­mi­ne per­fekt getak­tet: Jeweils in vier Impf­stra­ßen bewe­gen sich die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger von einer Sta­ti­on zur Ande­ren: Zunächst durch die Anmel­dung, bei der sicher­ge­stellt wird, dass sie über 60 Jah­re alt sind und in Wer­ne woh­nen, wei­ter zur Anpas­sung des Impf­pas­ses bis hin zum ärzt­li­chen Bera­tungs­ge­spräch und der Imp­fung selbst. Die­se füh­ren Ärz­te aus der Umge­bung durch. 

Formalitäten mussten vor der Impfung auch erledigt werden. Foto: Alexandra Prokofev
For­ma­li­tä­ten muss­ten vor der Imp­fung auch erle­digt wer­den. Foto: Alex­an­dra Prokofev

Gegen 12 Uhr hat die Lüner Ärz­tin Julia Voll­mer bereits 50 Men­schen in der klei­nen schwar­zen Kabi­ne geimpft. „Erstaun­lich weni­ge haben Fra­gen oder Zwei­fel zum Impf­stoff. Vie­le den­ken sich: ‚Haupt­sa­che ich habe ihn‘“, schil­dert sie. Und auch Con­ny Geb­hardt ist zuver­sicht­lich: „Selbst die Neben­wir­kun­gen der Imp­fung sind nicht so schlimm wie Coro­na.“ Ohne die Akti­on hät­te die 62-Jäh­ri­ge noch lan­ge auf die Imp­fung war­ten müssen.

Ihre Freu­de über ihr Ergeb­nis bei der Ver­lo­sung hat sie des­halb auf Face­book publik gemacht – und eine Wel­le an Hass­kom­men­ta­ren zurück­be­kom­men. „Vie­le haben kri­ti­siert, dass ich schon geimpft wer­de. Die Wut kann ich nicht ver­ste­hen. Ich per­sön­lich hät­te jedem die Imp­fung gegönnt“, sagt die ehe­ma­li­ge Alten­pfle­ge­rin. Noch vor der Aus­lo­sung wur­den die rund 118 Vor­er­krank­ten über 60 Jah­ren kon­tak­tiert, die noch nicht geimpft wor­den waren. Die­se wur­den eben­falls am ver­gan­ge­nen Sams­tag in der Hal­le geimpft.

Die Stadt­ver­wal­tung habe sich bei der Akti­on bewusst für das Los­ver­fah­ren per Zufalls­prin­zip ent­schie­den, um jeder poten­zi­el­len Bewer­bung die glei­che Chan­ce zu geben. Das ist die bereits vier­te Impf­ak­ti­on, die die Stadt­ver­wal­tung mit Hil­fe von medi­zi­ni­schem Fach­per­so­nal des Krei­ses Unna und dem Sicher­heits­per­so­nal BAK bereit­stellt. Lehr­kräf­te und Vor­er­krank­te unter 60 Jah­ren erhiel­ten bereits einen Impfstoff.

Nach der Gabe von Astra­Ze­ne­ca muss Geb­hardt, wie die ande­ren Geimpf­ten, aus Sicher­heits­grün­den 15 Minu­ten in der Hal­le ver­blei­ben. Wann die zwei­te Imp­fung statt­fin­det, ist noch unklar: Sie erfolgt etwa in zwölf Wochen. Bis dahin malt sich Geb­hardt bereits aus, was sie machen wird, sobald sie fer­tig geimpft ist: „Zeit mit mei­nen Enkel­kin­dern ver­brin­gen. Mei­ne jüngs­te Enkel­toch­ter ist gera­de mal zwei. Ich habe viel ver­passt in der letz­ten Zeit.“

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