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Gemeinde St. Christophorus entwickelt Konzept für ihre Kirchen

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Werne. Die schwindende Zahl der katholischen Gläubigen zwingt auch die Kirchengemeinde St. Christophorus zum Handeln. Denn immer weniger Gemeindemitglieder besuchen die Gottesdienste, auch die Pfarrheime haben längst nicht mehr die Frequenz von kirchlichen Gruppen wie in früheren Jahrzehnten. Dem gegenüber stehen hohe Kosten für die Unterhaltung von Gebäuden, die inzwischen viel zu groß geworden sind.

Der Pfarreirat und der Kirchenvorstand von St. Christophorus beschäftigen sich seit längerem mit diesem Problem, dessen Lösung sie im Einklang mit dem Bistum Münster als Aufgabe für die Zukunft verstehen. Welche Perspektiven sie entwickelt haben, lässt sich aus den Leitsätzen zum lokalen Pastoralplan und einem Immobilienkonzept herauslesen, die am Freitag,  8. Dezember, in einem Pressegespräch der Öffentlichkeit vorgestellt wurden.

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Das Fazit: Die Gemeindemitglieder müssen sich in den kommenden Jahren auf weitere Veränderungen einstellen. Die Grundlage für diesen Prozess bilden nüchterne Zahlen: Durch Tod, Wegzug oder Austritt verlassen durchschnittlich 180 Gläubige pro Jahr die Kirchengemeinde, die derzeit noch rund 14.000 Mitglieder hat.

Pfarrdechant Jürgen Schäfer, die Vorsitzende des Pfarreirates, Marianne Schäper-Mürmann, sowie Josef Meinke und Jörg Stengl vom Kirchenvorstand, stellten in dem Gespräch vor, worum es geht: Um eine Reduzierung des Bestandes bzw. die Optimierung der Nutzung der sechs kirchlichen Standorte im Werner Stadtgebiet. Als Paradebeispiel nannten die Gemeindevertreter den Standort St. Konrad, der komplett neu gestaltet wurde: Der Kirche wurde abgerissen, an ihre Stelle trat der Neubau der Zentralrendantur, der frühere Kirchturm wurde zum Gotteshaus und multifunktionalen Zentrum umgebaut, das ehemalige Pfarrhaus wird von einer Jugendgruppe der Jugendhilfe Werne bewohnt und das inzwischen abgerissene Bruder-Konrad-Haus wird durch eine Wohnbebauung ersetzt. Weitere Freiflächen sollen ebenfalls mit preisgünstigen Mietwohnungen bebaut werden. Außerdem ist als Ersatz für den aus den 1980 Jahren stammenden Kindergarten ein Neubau geplant, der von der Jugendhilfe Werne betrieben wird. Das Konzept dahinter: Durch die Zusammenarbeit zwischen der Wiehagenschule und dem Kita-Verbund soll in St. Konrad ein kinderpastorales Zentrum etabliert werden.

Die Sakristei der Kirche St. Christophorus wird abgerissen. Grund sind gravierende baukonstruktive Mängel, teilte der KIrchenvorstand mit. Foto: Hillebrand (A)
Die Sakristei der Kirche St. Christophorus wird abgerissen. Foto: Hillebrand (A)

„Das Selbstverständnis von Kirche hat sich gewandelt“, sagte Pfarrdechant Jürgen Schäfer und verwies darauf, dass die bisherigen volkskirchlichen Strukturen der Gemeinde einer Veränderung bedürfen. Es gehe darum, die kirchlichen Gebäude auch für andere Nutzungen zur Verfügung zu stellen. „Wir verstehen uns auch als Kulturträger“, betonte Schäfer, dass man gern Gastgeber für Konzerte, Gruppen oder Initiativen sei. Auch für die evangelische Kirche, die in Stockum Räume der katholischen Gemeinde nutze. „Kirche ist überall in Werne – und überall anders. Wir begegnen einander offen und gastfreundlich“, heißt es im ersten der fünf Leitsätze des neuen Pastoralplans.

Grundsätzlich bleibe die Kirchengemeinde in allen Stadtteilen präsent, die Gläubigen müssten sich aber auf Neues einlassen, lautete der Tenor der Gemeindevertreter. Das gilt besonders für den Standort St. Johannes, denn das 1961 eingeweihte Gebäude ist bekanntlich durch Setzrisse stark beschädigt. Eine Restaurierung kommt aus Kostengründen nicht mehr in Frage, langfristig sieht das Immobilienkonzept deshalb einen Abriss vor. Es werde kein Geld mehr in die Instandhaltung investiert. Schäfer versprach aber: „Wir bewirtschaften die Kirche so lange, bis sie endgültig auseinanderbricht“. Auch an der Pfarrkirche St. Christophorus wird der Abbruchbagger zum Einsatz kommen. Die durch ihre ungewöhnliche Architektur umstrittene Sakristei wird durch einen Neubau ersetzt. Die Gespräche über die Gestaltung laufen derzeit.

Die Kirche St. Johannes hatte Schäden. Doch jetzt konnte geholfen werden. Foto: Max Thilmann
Die Kirche St. Johannes wird aufgegeben. Foto: Max Thilmann

Die Perspektiven der Standorte im Einzelnen:

St. Christophorus:

Die Sakristei wird erneuert die Kirchfläche durch einen Teil-Einbau der Sakristei verkleinert. Die Nebenräume und das WC sollen in der Sakristei ebenerdig sein, das Pfarrheim soll durch Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern besser ausgelastet werden. Die Umsetzung dieser Ziele soll kurzfristig, also innerhalb von ein bis zwei Jahren, erfolgen.

St. Johannes:

Kurzfristig ist eine Vermietung des Pfarrheims an die Jugendhilfe Werne vorgesehen. In der Altenstube soll ein Jugendraum eingerichtet werden. Die Gemeinde plant eine Kooperation mit dem evangelischen Bonhoefferzentrum, sodass langfristig eine Aufgabe der Gebäude am Standort St. Johannes ermöglicht wird.  Auf der Fläche könnte ein Stadtteilzentrum in Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe Werne und der Caritas für Beratungsangebote entstehen. Außerdem sollen die Grünflächen für eine Wohnbebauung vermarktet werden.

Maria Frieden:

Das Pfarrheim soll zu einem Konferenzzentrum für kirchliche und externe Nutzer werden, was kurzfristig den Einbau der notwendigen IT-Einrichtung erforderlich macht. Auch das Mobiliar und die technische Ausrüstung sollen angepasst werden. Die großzügigen, pflegeintensiven Grünflächen rund um Maria Frieden sollen entwickelt werden. „Sollte das Kirchengebäude zu einem späteren Zeitpunkt abgängig sein, könnte der Standort als Tagungszentrum Maria Frieden inklusive einer kleinen Kapelle, der Kita und dem ehemaligen Pfarrhaus weiter erhalten bleiben“, heißt es wörtlich im Immobilienkonzept.

St. Sophia:

Auch diese Kirche ist zu groß und das Pfarrheim wird zu wenig genutzt. Das Konzept sieht deshalb mittelfristig einen Anbau von Gemeindeflächen an den Kindergarten vor und langfristig eine Sanierung des Kirchenanbaus, eine Verkleinerung der Kirchenfläche und eventuell den Wegfall des Pfarrheims. Auch soll die Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirchengemeinde intensiviert werden, die ihr eigenes Gebäude in Stockum aufgegeben hat.

Marienkapelle Horst:

Den Horster Gläubigen stehen nur wenige Veränderungen ins Haus. Im Immobilienkonzept geht die Kirchengemeinde zunächst von einem dauerhaften Erhalt der Kapelle aus.

Der neue Pastoralplan schreibt fest, wie diese Zukunftspläne in der Gemeinde gelebt werden sollen. Neben dem bereits zitierten Leitsatz wurden vier weitere Schwerpunkte festgelegt:

Wir feiern und verkünden den Glauben in unterschiedlichen Weisen. Wir nehmen die heutigen Lebenswirklichkeiten in den Blick.

Wir entwickeln das Ehrenamt weiter.

Wir schaffen Räume und Gelegenheiten für den direkten Austausch.

Wir übernehmen soziale Verantwortung.

Der Pastoralplan und das Immobilienkonzept wurden von einer Arbeitsgruppe zusammengestellt und von den Gremien der Gemeinde beschlossen. Sie liegen inzwischen dem Bistum Münster vor.

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