Dienstag, Mai 17, 2022

Gemeinde St. Christophorus entwickelt Konzept für ihre Kirchen

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Wer­ne. Die schwin­den­de Zahl der katho­li­schen Gläu­bi­gen zwingt auch die Kir­chen­ge­mein­de St. Chris­to­pho­rus zum Han­deln. Denn immer weni­ger Gemein­de­mit­glie­der besu­chen die Got­tes­diens­te, auch die Pfarr­hei­me haben längst nicht mehr die Fre­quenz von kirch­li­chen Grup­pen wie in frü­he­ren Jahr­zehn­ten. Dem gegen­über ste­hen hohe Kos­ten für die Unter­hal­tung von Gebäu­den, die inzwi­schen viel zu groß gewor­den sind.

Der Pfar­rei­rat und der Kir­chen­vor­stand von St. Chris­to­pho­rus beschäf­ti­gen sich seit län­ge­rem mit die­sem Pro­blem, des­sen Lösung sie im Ein­klang mit dem Bis­tum Müns­ter als Auf­ga­be für die Zukunft ver­ste­hen. Wel­che Per­spek­ti­ven sie ent­wi­ckelt haben, lässt sich aus den Leit­sät­zen zum loka­len Pas­to­ral­plan und einem Immo­bi­li­en­kon­zept her­aus­le­sen, die am Frei­tag,  8. Okto­ber, in einem Pres­se­ge­spräch der Öffent­lich­keit vor­ge­stellt wurden. 

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Das Fazit: Die Gemein­de­mit­glie­der müs­sen sich in den kom­men­den Jah­ren auf wei­te­re Ver­än­de­run­gen ein­stel­len. Die Grund­la­ge für die­sen Pro­zess bil­den nüch­ter­ne Zah­len: Durch Tod, Weg­zug oder Aus­tritt ver­las­sen durch­schnitt­lich 180 Gläu­bi­ge pro Jahr die Kir­chen­ge­mein­de, die der­zeit noch rund 14.000 Mit­glie­der hat.

Pfarr­de­chant Jür­gen Schä­fer, die Vor­sit­zen­de des Pfar­rei­ra­tes, Mari­an­ne Schäper-Mür­mann, sowie Josef Mein­ke und Jörg Stengl vom Kir­chen­vor­stand, stell­ten in dem Gespräch vor, wor­um es geht: Um eine Redu­zie­rung des Bestan­des bzw. die Opti­mie­rung der Nut­zung der sechs kirch­li­chen Stand­or­te im Wer­ner Stadt­ge­biet. Als Para­de­bei­spiel nann­ten die Gemein­de­ver­tre­ter den Stand­ort St. Kon­rad, der kom­plett neu gestal­tet wur­de: Der Kir­che wur­de abge­ris­sen, an ihre Stel­le trat der Neu­bau der Zen­tral­ren­dan­tur, der frü­he­re Kirch­turm wur­de zum Got­tes­haus und mul­ti­funk­tio­na­len Zen­trum umge­baut, das ehe­ma­li­ge Pfarr­haus wird von einer Jugend­grup­pe der Jugend­hil­fe Wer­ne bewohnt und das inzwi­schen abge­ris­se­ne Bru­der-Kon­rad-Haus wird durch eine Wohn­be­bau­ung ersetzt. Wei­te­re Frei­flä­chen sol­len eben­falls mit preis­güns­ti­gen Miet­woh­nun­gen bebaut wer­den. Außer­dem ist als Ersatz für den aus den 1980 Jah­ren stam­men­den Kin­der­gar­ten ein Neu­bau geplant, der von der Jugend­hil­fe Wer­ne betrie­ben wird. Das Kon­zept dahin­ter: Durch die Zusam­men­ar­beit zwi­schen der Wie­ha­gen­schu­le und dem Kita-Ver­bund soll in St. Kon­rad ein kin­der­pas­to­ra­les Zen­trum eta­bliert werden.

Die Sakristei der Kirche St. Christophorus wird abgerissen. Grund sind gravierende baukonstruktive Mängel, teilte der KIrchenvorstand mit. Foto: Hillebrand (A)
Die Sakris­tei der Kir­che St. Chris­to­pho­rus wird abge­ris­sen. Foto: Hil­le­brand (A)

„Das Selbst­ver­ständ­nis von Kir­che hat sich gewan­delt“, sag­te Pfarr­de­chant Jür­gen Schä­fer und ver­wies dar­auf, dass die bis­he­ri­gen volks­kirch­li­chen Struk­tu­ren der Gemein­de einer Ver­än­de­rung bedür­fen. Es gehe dar­um, die kirch­li­chen Gebäu­de auch für ande­re Nut­zun­gen zur Ver­fü­gung zu stel­len. „Wir ver­ste­hen uns auch als Kul­tur­trä­ger“, beton­te Schä­fer, dass man gern Gast­ge­ber für Kon­zer­te, Grup­pen oder Initia­ti­ven sei. Auch für die evan­ge­li­sche Kir­che, die in Sto­ckum Räu­me der katho­li­schen Gemein­de nut­ze. „Kir­che ist über­all in Wer­ne – und über­all anders. Wir begeg­nen ein­an­der offen und gast­freund­lich“, heißt es im ers­ten der fünf Leit­sät­ze des neu­en Pastoralplans.

Grund­sätz­lich blei­be die Kir­chen­ge­mein­de in allen Stadt­tei­len prä­sent, die Gläu­bi­gen müss­ten sich aber auf Neu­es ein­las­sen, lau­te­te der Tenor der Gemein­de­ver­tre­ter. Das gilt beson­ders für den Stand­ort St. Johan­nes, denn das 1961 ein­ge­weih­te Gebäu­de ist bekannt­lich durch Setz­ris­se stark beschä­digt. Eine Restau­rie­rung kommt aus Kos­ten­grün­den nicht mehr in Fra­ge, lang­fris­tig sieht das Immo­bi­li­en­kon­zept des­halb einen Abriss vor. Es wer­de kein Geld mehr in die Instand­hal­tung inves­tiert. Schä­fer ver­sprach aber: „Wir bewirt­schaf­ten die Kir­che so lan­ge, bis sie end­gül­tig aus­ein­an­der­bricht“. Auch an der Pfarr­kir­che St. Chris­to­pho­rus wird der Abbruch­bag­ger zum Ein­satz kom­men. Die durch ihre unge­wöhn­li­che Archi­tek­tur umstrit­te­ne Sakris­tei wird durch einen Neu­bau ersetzt. Die Gesprä­che über die Gestal­tung lau­fen derzeit.

Die Kirche St. Johannes hatte Schäden. Doch jetzt konnte geholfen werden. Foto: Max Thilmann
Die Kir­che St. Johan­nes wird auf­ge­ge­ben. Foto: Max Thilmann

Die Per­spek­ti­ven der Stand­or­te im Einzelnen:

St. Chris­to­pho­rus:

Die Sakris­tei wird erneu­ert die Kirch­flä­che durch einen Teil-Ein­bau der Sakris­tei ver­klei­nert. Die Neben­räu­me und das WC sol­len in der Sakris­tei eben­erdig sein, das Pfarr­heim soll durch Zusam­men­ar­beit mit Koope­ra­ti­ons­part­nern bes­ser aus­ge­las­tet wer­den. Die Umset­zung die­ser Zie­le soll kurz­fris­tig, also inner­halb von ein bis zwei Jah­ren, erfolgen.

St. Johan­nes:

Kurz­fris­tig ist eine Ver­mie­tung des Pfarr­heims an die Jugend­hil­fe Wer­ne vor­ge­se­hen. In der Alten­stu­be soll ein Jugend­raum ein­ge­rich­tet wer­den. Die Gemein­de plant eine Koope­ra­ti­on mit dem evan­ge­li­schen Bon­hoef­fer­zen­trum, sodass lang­fris­tig eine Auf­ga­be der Gebäu­de am Stand­ort St. Johan­nes ermög­licht wird.  Auf der Flä­che könn­te ein Stadt­teil­zen­trum in Zusam­men­ar­beit mit der Jugend­hil­fe Wer­ne und der Cari­tas für Bera­tungs­an­ge­bo­te ent­ste­hen. Außer­dem sol­len die Grün­flä­chen für eine Wohn­be­bau­ung ver­mark­tet werden.

Maria Frie­den:

Das Pfarr­heim soll zu einem Kon­fe­renz­zen­trum für kirch­li­che und exter­ne Nut­zer wer­den, was kurz­fris­tig den Ein­bau der not­wen­di­gen IT-Ein­rich­tung erfor­der­lich macht. Auch das Mobi­li­ar und die tech­ni­sche Aus­rüs­tung sol­len ange­passt wer­den. Die groß­zü­gi­gen, pfle­ge­in­ten­si­ven Grün­flä­chen rund um Maria Frie­den sol­len ent­wi­ckelt wer­den. „Soll­te das Kir­chen­ge­bäu­de zu einem spä­te­ren Zeit­punkt abgän­gig sein, könn­te der Stand­ort als Tagungs­zen­trum Maria Frie­den inklu­si­ve einer klei­nen Kapel­le, der Kita und dem ehe­ma­li­gen Pfarr­haus wei­ter erhal­ten blei­ben“, heißt es wört­lich im Immobilienkonzept.

St. Sophia:

Auch die­se Kir­che ist zu groß und das Pfarr­heim wird zu wenig genutzt. Das Kon­zept sieht des­halb mit­tel­fris­tig einen Anbau von Gemein­de­flä­chen an den Kin­der­gar­ten vor und lang­fris­tig eine Sanie­rung des Kir­chen­an­baus, eine Ver­klei­ne­rung der Kir­chen­flä­che und even­tu­ell den Weg­fall des Pfarr­heims. Auch soll die Zusam­men­ar­beit mit der evan­ge­li­schen Kir­chen­ge­mein­de inten­si­viert wer­den, die ihr eige­nes Gebäu­de in Sto­ckum auf­ge­ge­ben hat.

Mari­en­ka­pel­le Horst:

Den Hors­ter Gläu­bi­gen ste­hen nur weni­ge Ver­än­de­run­gen ins Haus. Im Immo­bi­li­en­kon­zept geht die Kir­chen­ge­mein­de zunächst von einem dau­er­haf­ten Erhalt der Kapel­le aus.

Der neue Pas­to­ral­plan schreibt fest, wie die­se Zukunfts­plä­ne in der Gemein­de gelebt wer­den sol­len. Neben dem bereits zitier­ten Leit­satz wur­den vier wei­te­re Schwer­punk­te festgelegt:

Wir fei­ern und ver­kün­den den Glau­ben in unter­schied­li­chen Wei­sen. Wir neh­men die heu­ti­gen Lebens­wirk­lich­kei­ten in den Blick.

Wir ent­wi­ckeln das Ehren­amt weiter.

Wir schaf­fen Räu­me und Gele­gen­hei­ten für den direk­ten Austausch.

Wir über­neh­men sozia­le Verantwortung.

Der Pas­to­ral­plan und das Immo­bi­li­en­kon­zept wur­den von einer Arbeits­grup­pe zusam­men­ge­stellt und von den Gre­mi­en der Gemein­de beschlos­sen. Sie lie­gen inzwi­schen dem Bis­tum Müns­ter vor.

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