Anna Kleine, Jessica Klaus und Franziska Lange gehören zu den jungen Frauen, die sich ganz bewusst dafür entschieden haben, in der Freiwilligen Feuerwehr tätig zu sein. Foto: Volkmer
Anna Kleine, Jessica Klaus und Franziska Lange gehören zu den jungen Frauen, die sich ganz bewusst dafür entschieden haben, in der Freiwilligen Feuerwehr tätig zu sein. Foto: Volkmer
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Werne. Als die Freiwillige Feuerwehr Werne vor acht Jahren einen Kreisleistungsnachweis ausrichtete, sollte dabei aus den Reihen des Löschzugs Stadtmitte eine Frauengruppe an den Start gehen. Die gab es jedoch nicht. Um zumindest eine gemischte Gruppe zu realisieren, griffen männliche Feuerwehrleute zur roten Langhaarperücke und Lippenstift. Heute ist eine solche Maskerade nicht mehr nötig, denn mittlerweile stellen Frauen mehr als zehn Prozent der Mitglieder. WERNEplus hat mit Jessica Klaus, Anna Kleine und Franziska Lange drei davon befragt, was die Arbeit bei der Feuerlöschmannschaft ausmacht.

Volleyball, Handball oder Reiten stehen bei jungen Frauen oftmals auf den vorderen Plätzen der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ausgerechnet zur Feuerwehr zu gehen?

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Anna Kleine: Wir sind vor drei Jahren von Düsseldorf nach Werne gezogen und da mein Vater vorher schon bei der Feuerwehr war, ist er gleich wieder eingestiegen. Ich hatte auch Lust darauf und habe bei der Jugendfeuerwehr angefangen. Da hat es so viel Spaß gemacht, dass ich jetzt zur aktiven Einsatzabteilung gewechselt bin. Ich helfe gerne Menschen, also bin ich hier richtig.

Jessica Klaus: Ich bin ebenso durch die Familie zur Feuerwehr gekommen. Mein Onkel, Joachim Schwede, ist stellvertretender Löschzugführer. Er hat drei Söhne, die nicht zur Feuerwehr konnten oder wollten. Dann habe ich eben gesagt, dass ich in seine Fußstapfen trete. Ich habe schon in der Jugendfeuerwehr die Kameradschaft zu schätzen gelernt, daher war mir klar, dass ich weitermache. Langweilig wird es hier nie, denn die Aufgaben sind vielseitig und man lernt immer neue Dinge – ganz egal ob über die Technik der Fahrzeuge oder während der Objektkunde bei großen Unternehmen.

Franziska Lange: Bei mir ist es ähnlich gewesen. Mein Vater und mein großer Bruder sind auch in der Freiwilligen Feuerwehr. Daher bin ich 2015 in die Jugendfeuerwehr eingestiegen und habe den Entschluss noch nicht bereut, sodass ich bald in den aktiven Dienst wechseln werde.

Kommen in der Jugendfeuerwehr und später geschlechterspezifische Trennungen bei der Verteilung der Aufgaben vor?

Jessica Klaus: Nein, jeder macht tatsächlich alles. Ich habe in der Jugendfeuerwehr meist den Posten des Gruppenführers eingenommen, weil Mädchen mit 15 in der Regel schon etwas vernünftiger als Jungs sind. So haben die Jungs meine Befehle bei den Übungen befolgt. Letztlich sind bei der Feuerwehr aber alle gleich und wir Frauen wollen auch gar keine Sonderbehandlung, denn letztlich geht es darum, dass ein Feuer gelöscht wird, und da ist es egal, ob das ein Mann oder eine Frau macht.

Gibt es für die Damen denn auch einen eigenen Spind? Denn so selbstverständlich sind Frauen bei der Feuerwehr ja erst seit kürzerer Zeit.

Anna Kleine: Das stimmt. Ich bin in der Löschgruppe 2 in Langern die einzige und erste Frau in 100 Jahren. Ich habe meinen Spind im Dorfgemeinschaftshaus, das direkt neben dem Feuerwehrhaus ist. Zum Umkleiden gehen wir also getrennte Wege.

Jessica Klaus: Als ich 2012 angefangen habe, war ich das einzige Mädchen in der Jugendfeuerwehr. Aktuell sind das immerhin fünf. In Werne gibt es eine große Männerkabine und eine kleinere für die Frauen. Da wird es aber langsam eng, derzeit gibt es darin zwölf Spinde und schon neun Feuerwehr-Kameradinnen.

Helm, Schutzkleidung und Atemluftmaske bringen zusammen gut 25 Kilo auf die Waage. Was sagen denn Freundinnen dazu, wenn Sie mitbekommen, dass Sie so was in ihrer Freizeit freiwillig tragen?

Jessica Klaus: Die meisten bewundern es, das man schon so lange dabei geblieben ist. Viel öfter bekomme ich die Frage zu hören, ob wir Frauen auch wirklich dabei sind, wenn Feuer gelöscht werden. Natürlich ist das so, dafür sind wir dabei! Weil ich über der Feuerwache wohne, bin ich sogar meist auf dem ersten Fahrzeug, das herausfährt und bin dann im Angriffstrupp.

Welche Erfahrungen machen Feuerwehrfrauen in der Freizeit?

Anna Kleine: Wenn ich zu Geburtstagen eingeladen bin, werden da oft Lagerfeuer angezündet. Sobald das brennt, heißt es dann oft „du bist bei der Feuerwehr – du kümmerst dich jetzt darum“. Aber ich habe eine soziale Ader, also mache ich das gern.

Jessica Klaus: Richtig. Man kann einfach nicht weggucken, wenn irgendwas in der Öffentlichkeit passiert. Ganz egal, ob ein Wagen mit Warnblinkanlage am Straßenrand steht oder ein Senior über den Bordstein gestolpert ist.

Was sollten alle beachten, die schon immer mit dem Gedanken gespielt haben, zur Feuerwehr zu gehen?

Jessica Klaus: Feuerwehr ist eine große Gemeinschaft. Einzelgänger kommen hier nicht weiter, denn hier gilt es zusammenzuarbeiten. Dafür fängt einen die Gemeinschaft auf, wenn man mal einen nicht so tollen Arbeitstag hatte und sorgt dafür, dass man wieder mit geschärftem Blick bei der Sache ist.

Was könnte die Feuerwehr unternehmen, um für Frauen noch attraktiver zu werden?

Franziska Lange: Definitiv wäre es schön, Kleidung für Frauen einzuführen. Wir bekommen immer nur Männeroutfits, die dann natürlich ganz andere Größen haben. Auch bei den Schuhen war es nicht einfach, direkt welche in der passenden Größe zu finden.

Jessica Klaus: Zudem muss man sich von dem Gedanken verabschieden, dass die Sachen auf Taille geschnitten sind, denn im Dienst muss die Kleidung praktisch sein, da nützt es nichts, wenn man bauchfreie Outfits trägt.

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