Anne, Sophia und Hubertus Pröbsting hofften auf besseres Wetter, damit die Erdbeerernte so richtig Fahrt aufnehmen kann. Sie wurden erhört. Foto: Isabel Schütte
Anne, Sophia und Hubertus Pröbsting hofften auf besseres Wetter, damit die Erdbeerernte so richtig Fahrt aufnehmen kann. Sie wurden erhört. Foto: Isabel Schütte
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Capelle. Sommer und Erdbeeren, das passt zusammen. Der verregnete Frühling stimmt nicht optimal zur beginnenden Erntezeit ein. Auf dem Hof von Pröbsting Nordkirchen-Capelle setzt man beim Erdbeeranbau auf einen Folientunnel. Die ersten Früchte werden bereits geerntet – jetzt hat man besseres Wetter, so dass die Saison richtig losgehen kann.

Als die vier Kinder aus dem Gröbsten raus waren, überlegte Anne Pröbsting hin und her. Sollte sie wieder zurück in ihren Beruf als Optikmeisterin? Sie wollte gerne – aber die Arbeitszeiten passten nicht zum Familienleben. Da kam ihr die Idee mit den Erdbeeren. Zum Probieren startete das Projekt mit einem viertel Hektar Erdbeerpflanzen. Also mehr Liebhaberei als ein lukratives Geschäft. Gepflückt wurden die Früchte mit der Hand. 16 Jahre später, reifen die roten Leckereien auf 4,5 Hektar, davon 3,5 Hektar im Freiland. Sie sind ein wichtiges Standbein des Hofs Pröbsting am Ortsrand von Nordkirchen-Capelle.

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Vor gut einer Woche sollte die Erdbeersaison offiziell eröffnet werden. Dass der Landesverband Obstbau Westfalen-Lippe dafür eigens ein Zelt aufbauen musste, zeigte, dass der kalte April und der eher regnerische Mai die Beeren kaum reifen ließ. Nur im so genannten „geschützten Anbau“ – etwa in den riesigen, begehbaren Folientunneln – werden die ersten Früchte reif. Der Ertrag liegt derzeit noch bei 30 Prozent, schätzt Anne Pröbsting. Das wirkt sich auf den Preis aus: Pröbstings bieten 500 Gramm für derzeit für 4,90 Euro an. Dabei ist es wichtig, dass die Kunden auch wissen, dass unsere Saisonarbeiter geräumige Mitarbeiterwohnungen haben. „Dies alles wird beim Preis mit einkalkuliert“, betonte Hubertus Pröbsting. 

Die Erdbeer-Kulturen sehen nicht schlecht aus, so die Einschätzung von Stefan Kraege, Vorsitzender des Obstbau-Landesverbandes Westfalen-Lippe. Foto: Isabel Schütte
Die Erdbeer-Kulturen sehen nicht schlecht aus, so die Einschätzung von Stefan Kraege, Vorsitzender des Obstbau-Landesverbandes Westfalen-Lippe. Foto: Isabel Schütte

Doch die Beeren-Branche ist zuversichtlich, dass bald bessere Zeiten kommen. „Die Kulturen sehen nicht schlecht aus“, findet Stefan Kraege, der Vorsitzender des Obstbau-Landesverbands ist. Und Karl Schulze Welberg, Beerenobst-Berater der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, ergänzt: „Der Schädlingsdruck ist nicht groß.“ Jetzt könne es richtig losgehen.

Der Erdbeeranbau trägt längst einen erheblichen Teil zu den jährlichen Erträgen des Hofs bei, der im Kern ein Schweinemastbetrieb mit 5.000 Mastplätzen und Ackerbewirtschaftung betreibt. Rund 80 Prozent ihrer Erdbeeren vermarktet der Familienbetrieb direkt – sei es ab Hof, über eigene Erdbeer-Verkaufsstände in der Region oder auf dem Selbstpflückerfeld.

Dass die Erdbeerbauern ganz automatisch auch etwas für den Umweltschutz tun, war Stefan Kraege wichtig zu betonen. Pro Hektar gebe es etwa eine Million Blüten – ein Paradies für Bienen, Schwebfliegen, Hummeln, Marienkäfer und Wanzen. „Wir möchten dazu anregen mitzumachen“, erklärte er. Deshalb verteilt sein Verband in diesem Jahr kostenlos Tütchen mit Blühmischungen.

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