Eine alte Heißmangel in der Waschküche: Gambels Liebe zu antiken Möbelstücken zieht sich durch die ganze Einrichtung des Ferienhauses. Foto: Alexandra Prokofev
Eine alte Heißmangel in der Waschküche: Gambels Liebe zu antiken Möbelstücken zieht sich durch die ganze Einrichtung des Ferienhauses. Foto: Alexandra Prokofev
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Werne. Holzpantoffeln im Korridor und eine Heißmangel in der Waschküche: Im Ferienhaus von Sabine Gambel konnten Gäste im gemütlichen Ambiente eines Bergwerkshäuschens wohnen. Dann kam die Pandemie und mit ihr viele, „ärgerliche Absagen“. Auch ein Jahr später sieht die Inhaberin keinen Grund mehr, das Ferienhaus zu behalten. Es soll verkauft oder vermietet werden.

Vor neun Jahren kaufte Sabine Gambel ein kleines Haus, nur einige Meter von ihrem Zuhause entfernt: 75 Quadratmeter und zwei Etagen in der Lippestraße. Zunächst war es als Übernachtungsort für die Eltern der gebürtigen Kölnerin gedacht. Dann kam ihr die Idee, die Geschichte des alten Bergarbeiterhäuschens aufleben zu lassen und das Haus für Touristen zu vermieten. „Das Haus stand zwei Jahre leer, im Kühlschrank waren sogar noch Lebensmittel“, schildert Gambel.

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Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten räumte sie die chaotischen Zimmer, tauschte die brüchigen Fenster aus und begann authentische Möbelstücke zu sammeln, die an die Zeit der Zechenarbeit erinnern. Vier Jahre lang renovierte Gambel mit Herzblut. Heute zieren die Wände kleine, selbstgestempelte Motive, die Holzdielen sind dunkelrot lackiert und an den Wänden hängen alte Bilder aus der Stadtgeschichte. Kleine Details, wie eine Heißmangel zum Bügeln in der Waschküche und Nachttöpfe unter den Betten versetzten die Gäste in eine andere Zeit.

„Ich hatte Touristen aus dem Ausland, zum Beispiel England oder den Niederlanden“, erinnert sich Gambel. Mal wollte eine Besucherin ihrer Mutter eine Freude machen, mal trafen sich zwei Freunde aus verschiedenen Städten für ein ruhiges Wochenende. Vor allem die schönen Fahrradwege und die Grenze zum Ruhrgebiet und Münsterland seien für die Gäste interessant und machen Werne zum Touristenziel. Auch das Solebad und große Veranstaltungen, wie Schützenfeste oder Sim-Jü, lockten Gäste an. Das Haus sei durchgehend ausgebucht gewesen.

Die Couch gehörte Sabine Gambels Großeltern. Es ist eines der Lieblingsstücke der Besitzerin. Viele Jahre lang sammelte Gambel antike Möbelstücke für ihr Ferienhaus. Foto: Alexandra Prokofev

Seit Winter letzten Jahres dürfen aufgrund der Pandemie keine Urlaubsgäste mehr beherbergt werden. Leer steht das Haus aber nicht: Geschäftsleute und Handwerker buchen es weiterhin. „Das ist aber nie mein Ziel gewesen, ich wollte das Haus für Touristen anbieten“, sagt Gambel. Da sie auch in diesem Jahr keine Perspektive sieht, wann sie wieder öffnen kann, hat sie eine Entscheidung getroffen: Sie wird das Haus verkaufen oder vermieten.

Aber nicht nur die Pandemie habe dazu beigetragen. Gambel beobachtet eine „Nicht-Wertschätzung“ des Tourismus in Werne: „Übernachtungszahlen wurden noch nie abgefragt. Der Wohnmobilstellplatz Am Hagen ist nicht touristenfreundlich. Ich habe das Gefühl, die Stadt weiß gar nicht, dass Werne ein Touristenziel ist.“ Vor einigen Jahren habe sich die 61-Jährige beim Stadtmarketing um ein Schild bemüht, dass auf die Innenstadt verweisen und den Vorbeifahrenden als Orientierung dienen sollte. „Das hat Jahre gedauert. In der Zeit wussten viele Fahrradfahrer gar nicht, wo sie hin sollen und sind weiter nach Rünthe gefahren“, erzählt Gambel. Dabei habe Werne aus ihrer Sicht viel zu bieten: „Ich kaufe seit Jahren nur noch in Werne ein. Die Stadt ist kinderfreundlich und hat tolle Radwege.“

Die Entscheidung, das Ferienhaus aufzugeben, fiel Gambel nicht leicht. „Ich bedauere wirklich jedes Gasthaus und jedes Hotel, das Angestellte hat und schließen musste“, sagt Gambel. Für die Chemielaborantin sei das Ferienhaus nur ein Nebenverdienst gewesen. Etwas Wehmut ist beim Anblick der liebevoll eingerichteten Räume trotzdem dabei. Doch einige ihrer Lieblingsstücke, nimmt sie mit in ihr Ferienhaus an der Oste, nahe Cuxhaven: So zum Beispiel die gemusterte Couch, die noch ihren Großeltern gehört hat, oder den gemütlichen Schaukelstuhl aus altem, dunklen Holz.

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