Die neu gegründete Bürgerinitiative BIN kämpft gegen das geplante neue Gewerbegebiet. Foto: Isabel Schütte
Die neu gegründete Bürgerinitiative BIN kämpft gegen das geplante neue Gewerbegebiet. Foto: Isabel Schütte
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Werne. Die Bürgerinitiative „BIN“ gegen das geplante Gewerbe- und Industriegebiet an der Nordlippestraße hat sich nach ihrer Gründung Ende März in die inhaltliche Arbeit gestürzt. Und das bedeutet Fleißarbeit, denn durch umfangreiche Recherchen sollen Argumente gegen die Pläne der Stadt Werne gesammelt werden, am nördlichen Ortseingang auf einer 32 Hektar großen Fläche Gewerbe anzusiedeln.

Die BIN sieht im Einklang mit der Klimaschutzinitiative „Natürlich!Werne“ erhebliche Nachteile für die Stadt Werne, wenn dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt wird. Die Fläche am Kreisverkehr Nordlippestraße/Münsterstraße ist Teil eines Kooperationsstandortes, den der Regionalverband Ruhr für die Ansiedlung großflächiger Industrieansiedlungen ab einer Fläche von fünf Hektar festschreiben will. Der Stadtentwicklungsausschuss hatte in seiner Sitzung im März beschlossen, das Bebauungsplanverfahren einzuleiten.

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Zur Arbeit der BI gehört auch der Blick über den Tellerrand, sprich, über die Stadtgrenzen hinaus. In einer Online-Konferenz sind die Mitglieder jetzt mit einer weiteren Bürgerinitiative in Kontakt getreten, die gegen ein Industriegebiet auf einem Regionalstandort in Dinslaken kämpft. Man sei dankbar für die umfangreichen Informationen und Erfahrungen, die die bereits 2007 gegründete BIGG Dinslaken mit ihnen geteilt haben, schreibt die BI in einer Pressemitteilung.

Die Bürgerinitiative weist ausdrücklich darauf hin, dass sie nicht grundsätzlich gegen die Ansiedlung von Gewerbe in Werne sei. „Allerdings existieren im Stadtgebiet noch insgesamt knapp 35 Hektar Gewerbeflächen, die jetzt schon als solche ausgewiesen sind und sofort zur Verfügung stehen würden“, heißt es in der Pressemitteilung. Eine Aussage, die Wirtschaftsförderin Carolin Brautlecht nicht bestätigen kann. Derzeit stehe in Werne keine größere Gewerbefläche mehr zur Verfügung, alle freien Grundstücke seien reserviert, unter anderem für spätere Erweiterungen bestehender Unternehmen, sagte sie auf Nachfrage von WERNEplus.

Die Planung lasse es zu, dass in dem neuen Gebiet auch Unternehmen angesiedelt werden können, die stark emittieren oder einen Betrieb im Sinne der Störfall-Verordnung nach der Bundesimmissionsschutzverordnung darstellen, schreibt die BI weiter. Zudem sei ein 24-Stunden-Betrieb an sieben Tagen in der Woche zulässig, was für den Werner Bürger weitreichende Folgen habe. Carolin Brautlecht versicherte noch einmal, dass die Auswahl der Unternehmen ausschließlich in der Hand der Stadt Werne liege. Dabei würden, wie auch bei Ansiedlungen in den bestehenden Gewerbegebieten, strenge Maßstäbe angelegt. Die Zahl und Qualität der Arbeitsplätze, aber auch die Umweltverträglichkeit, seien wichtige Kriterien. Brautlecht: „Die Entscheidung trifft der Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Werne und nicht der Regionalverband Ruhr.“ Im Gegensatz dazu behauptet die BI in ihrer Pressemitteilung, dass die Stadt mit der Eröffnung des Bauleitverfahrens den Einfluss auf die Ansiedlung aus der Hand gegeben hat. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Stadt nicht das letzte Wort haben wird, welches Gewerbe sich an der Nordlippestraße ansiedelt.“ Aus welchen Quellen sie ihre Informationen bezieht, teilt die Initiative nicht mit.

Neben dem Verlust des „grünen Tores zum Münsterland“ fürchtet die BI auch eine Minderung der Lebensqualität durch die Zunahme von Emissionen wie Geräusche, Licht, Luftverunreinigungen, Wärme und des Verkehrsaufkommens. „Auch das wirtschaftliche Risiko für den Bürger ist noch nicht absehbar“, schreibt die BI. Neben den persönlichen Risiken wie Wertminderung für das persönliche Eigentum der in der Nachbarschaft zum Industriegebiet lebenden Bürger sei auch davon auszugehen, dass gleichzeitig andere Kosten steigen. „Denn sollte es durch die Neuansiedlung weiterer Unternehmen günstigenfalls dazu kommen, dass neue Bürger nach Werne ziehen, würden gleichzeitig das Mietniveau sowie die Entwicklung der Grundstückspreise überproportional steigen“, heißt es in der Pressemitteilung. Eine weitere Folge für die Anwohner sei, dass durch die zu erwartende verminderte Grundwasserneubildung ein Versorgungsproblem mit Brunnenwasser auftreten könne. Hiervon seien vor allem Bewohner des ländlichen Raums betroffen, die über keinen Gelsenwasser-Anschluss verfügen. Mit der Ableitung von Oberflächenwasser in die Horne könne zudem eine Überschwemmungsgefahr drohen.

„Die Entwicklung und Vermarktung eines Gewerbe-/Industriestandortes dieser Größenordnung ist aber auch mit erheblichen finanziellen Risiken für die Stadt Werne verbunden, zumal man hier in einem intensiven Wettbewerb mit zahlreichen regionalen Kooperationsstandorten steht“, schreibt die BI. Denn sei eine Vermarkung nicht erfolgreich, würden letztendlich die Einwohner der Stadt Werne das finanzielle Risiko über Steuern und Abgaben tragen. Andererseits sei bei einer erfolgreichen Vermarktung davon auszugehen, dass aufgrund der Größenordnung des Gebietes die Stadt Werne eine Tagesdienstpflicht für hauptberufliche Feuerwehrleute einrichten müsse. „Das würde nach letzten Angaben der Stadt siebenstellige Kostenbeiträge erzeugen“, so die BI.

Die Bürgerinitiative kündigt an, dass sie in den nächsten Wochen mit Transparenten, die am betroffenen Gebiet aufgestellt werden sollen, auf ihr Anliegen aufmerksam machen will. Auch eine Homepage (www.BINdabei-werne.de) soll in Kürze online gehen. Interessierte, die mit der BI in Kontakt treten möchten, könnten sich unter Tel. 01573/5748345 oder E-Mail: BIN-Werne@posteo.de melden.

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