Pfarrdechant Jürgen Schäfer war zu Gast im digitalen Café Future. Foto: Gaby Brüggemann
Pfarrdechant Jürgen Schäfer. Foto: Gaby Brüggemann
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Werne. Die Zahl der Kirchenaustritte ist im Bistum Münster im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr gesunken: 12.698 Katholiken erklärten ihren Austritt, das waren 3.956 weniger als 2019. Es ist aber dennoch die zweithöchste Zahl an Austritten, die bisher in einem Jahr festgestellt wurde. Das teilte die Bischöfliche Pressestelle des Bistums Münster jetzt mit.

255 Personen, die die katholische Kirche früher einmal verlassen hatten, traten 2020 hingegen wieder ein. Hinzu kamen 139 Eintritte aus anderen christlichen Konfessionen. Wie die Bischöfliche Pressestelle weiter informierte, wurden 2020 im Bistum 9.804 Menschen durch die Taufe in die Kirche aufgenommen, 4.256 weniger als 2019. Die aktuelle Katholikenzahl im Bistum lag Ende des Berichtszeitraums bei 1,79 Millionen, das sind rund 27.000 weniger als 2019. Münster ist hinter dem Erzbistum Köln das zweitgrößte Bistum in Deutschland.

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Einen deutlichen Rückgang habe es im Bistum Münster auch bei den Menschen gegeben, die sonntags an der Messe teilnehmen. 2020 seien dies 89.062 Katholiken und damit 58.205 weniger als im Vorjahr gewesen, heißt es in der Mitteilung weiter. Rund drei Viertel der Pfarreien hätten dem Bistum aber zurückgemeldet, dass sie in der Corona-Pandemie Streaming-Angebote im Internet und in Sozialen Netzwerken gemacht hätten. Die Sonntagsgottesdienste seien dabei im Durchschnitt in jeder Pfarrei, die ein solches Angebot machte, von rund 250 Menschen aufgerufen worden.

Sinkende Austrittszahl nicht schönreden

Massive Rückgänge gab es indes auch bei Firmungen (2020: 8.099; 2019: 11.748), Erstkommunionen (2020: 11.428; 2019: 14.094) und kirchlichen Trauungen (2020: 903; 2019: 3.280). Leicht gestiegen ist die Zahl der Bestattungen (2020: 19.487; 2019: 19.354). Der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, erklärt zu den Zahlen: „Einen gewissen Rückgang hatten wir in den vergangenen Jahren immer zu verzeichnen. Laut Bistum sind die Zahlen des Jahres 2020 massiv von der Corona-Pandemie beeinflusst worden. „Kirchliches Leben in größerer Gemeinschaft war im vergangenen Jahr leider nur begrenzt möglich. Umgekehrt dürfen wir uns die Tatsache, dass 2020 weniger Menschen aus der Kirche ausgetreten sind, nicht schönreden. Dieses Jahr holt uns die Wirklichkeit mit – soweit wir das im Moment wissen – deutlich höheren Austrittszahlen wieder ein.“

Das Bistum Münster hat die Statistik für das Jahr 2020 veröffentlicht. Grafik: Bistum Münster

Bischof Genn: Brauchen ein neues „Normal“

Noch befinde man sich mitten in der Pandemie und der Wunsch nach einer Rückkehr zur Normalität werde vielfach laut geäußert. Gemeint sei damit der Zustand vor Beginn der Pandemie. „Aber wollen wir das wirklich? Nein! Nichts wäre falscher, als so weiter zu machen wie vor der Pandemie. Denn es ist doch nicht normal, dass wir unseren Planeten für die kommenden Generationen unbewohnbar machen! Es ist nicht normal, dass wir in den reichen Ländern auf Kosten der Armen leben! Es ist nicht normal, dass Menschen, die sich nach einem guten Leben sehnen, auf Mauern und Stacheldraht stoßen, eingepfercht werden oder ihr Leben verlieren!“ Gesellschaft und Kirche brauchten nach der Pandemie vielmehr ein neues ‚Normal‘ und die Krise müsse ein Weckruf sein, um überkommene Denkmuster und Verhaltensweisen aufzugeben.

Es werde nicht mehr sein wie vor der Corona-Pandemie, schätzt auch Dechant Jürgen Schäfer auch die Situation vor Ort der Pfarrei St. Christophorus Werne sein. Dennoch: „Die Gemeinde gibt es noch“, beobachtete er, dass mit den Lockerungen der Corona-Beschränkungen Angebote wie Spielnachmittag, Proben der Kirchenchöre und sonstige Treffen unmittelbar und gern wieder aufgenommen wurde. Da hatte ich mir vorher große Sorgen gemacht“, räumte er ein. Und es werde auch nicht gefragt, wer komme, das gehe quer durch alle Konfessionen, sagte er und betont: „Wer kommt, der kommt.“ Generell gebe es aber schon seit Langem ein verändertes Konsumverhalten der Gläubigen. Deren Bindung an die Kirche sei nicht mehr so stark. Viele Austritte aus Protest gegenüber der Kirchenbehörde seien sichtbar.

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