Eine ganze Reihe an Verkehrsteilnehmern ist 2020 auf der Münsterstraße oft deutlich schneller als erlaubt unterwegs gewesen. Foto: Volkmer
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Kreis Unna. Am besten läuft‘s im Straßenverkehr, wenn sich alle an die Regeln halten. Unbelehrbare Raser sollen durch die Geschwindigkeitsüberwachung ausgebremst werden. Im Jahr 2020 verhängte der Kreis deutlich weniger Fahrverbote als in den Vorjahren.

Zurückzuführen ist das aber wohl nicht auf plötzliche Einsicht, sondern auf die Corona-Lage und geänderte Baustellen- und Gefahrensituationen. Mit 2.001 Fahrverboten musste die Straßenverkehrsbehörde des Kreises Unna gut 70 Prozent weniger Führerscheine einziehen als noch 2019 (6.879). „Hierfür gibt es zwei Hauptgründe“, erläutert der zuständige Sachgebietsleiter Christian Bornemann: „Einmal ging die Verkehrsdichte insbesondere während des ersten Lockdowns im Frühjahr stark zurück. Außerdem gab es deutlich weniger Fälle, die wir von der Autobahnpolizei zur Bearbeitung bekommen haben.“ 

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Weniger gefährliche Autobahnbaustellen

Auf den Autobahnabschnitten im Kreisgebiet fielen einige gefährliche Baustellenbereiche weg, in denen im Vorjahr noch geblitzt wurde. Außerdem fiel zeitweise der Messanhänger aus, mit dem die Polizei auf den Autobahnen das Fahrverhalten unter die Lupe genommen hatte. 

Ob Kreispolizei, Autobahnpolizei oder der Kreis blitzen – sie tun das nicht ohne Grund: „Zu schnelles Fahren gehört zu den fünf Hauptursachen für Unfälle im Kreis Unna“, erklärt Christian Bornemann mit Verweis auf die Unfallstatistik der Kreispolizeibehörde. „Wir wollen mit unserer Überwachung das Geschwindigkeitsniveau senken und so präventiv Unfällen vorbeugen.“ Die einfachste Methode, nicht in ein Ordnungswidrigkeiten-Verfahren hineingezogen zu werden, besteht darin, sich an die Verkehrsregeln zu halten. Diese lassen sich sehr oft aus der örtlichen Beschilderung ableiten. Damit haben alle Verkehrsteilnehmer*innen die Möglichkeit, ihr eigenes Verhalten so zu steuern, dass man ahndungsfrei bleibt. Denn es gibt kein Recht auf zu schnelles Fahren. 

Obwohl – wie im übrigen auch aus vielen anderen Bereichen der Kreisverwaltung – aus dem Team der Bußgeldstelle mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zeitweise zur Bekämpfung der Corona-Pandemie im Gesundheitsamt eingesetzt waren, konnte die Zahl der eigenen Tempo-Messungen nahezu auf Vorjahresniveau gehalten werden. In den kreiseigenen Fahrzeugen zur mobilen Geschwindigkeitsüberwachung leisteten die Mitarbeiter im vergangenen Jahr 9.465 (2019: 9.845) Einsatzstunden an 331 (2019: 346) Einsatztagen.

Viel zu schnell

Dass das nötig ist und trotz Corona täglich auch auf den Straßen im Kreis Unna unverantwortlich schnell gefahren wird, zeigt ein Blick in die Statistik der Behörde: Der schnellste Fahrer wurde 2020 erneut vom „Starenkasten“ auf der Ruhrtalstraße in Schwerte (im übrigen wie schon 2019, 2018, 2017 und 2016) gemessen. Dieses Mal mit 143 Stundenkilometern (2019: 130 km/h). Hier ist Tempo 50 erlaubt – der ertappte Verkehrssünder war also 93 Stundenkilometer zu schnell unterwegs. Damit ist er leider nicht allein: Viel zu schnell war beispielsweise an der Lessingstraße in Bergkamen jemand, der bei Tempo 30 mit satten 93 Sachen durch die kreiseigene mobile Geschwindigkeitsüberwachung gemessen wurde. Um mehr als das Doppelte wurde auch auf der Kleistraße in Holzwickede die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschritten. Dort sind 70 km/h erlaubt, und der oder die Schnellste fuhr 143. 

Viele Ordnungswidrigkeiten

Wie häufig Verkehrsregeln übertreten werden, macht trotz des Corona-Einbruchs die Gesamtzahl der von Kreis-Mitarbeitern bearbeiteten Ordnungswidrigkeiten klar: Sie lag im vergangenen Jahr bei 141.484 (2019: 201.609) und liegt damit nur geringfügig unter der Zahl von 2018 (157.130). Rund 107.000 dieser Verstöße wurden 2020 durch die „Starenkästen“ (46.995) und die mobile Geschwindigkeitsüberwachung (60.219) des Kreises registriert. PK | PKU 

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