Heute und morgen wird bei Amazon gestreikt. Foto: Hillebrand (A)
Bei Amazon wird für zwei Tage gestreikt. Allerdings nicht mit einer öffentlichen Kundgebung wie auf diesem Archivbild. Foto: Hillebrand (A)
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Werne. Mit einem zweitägigen Streik machen sich die Beschäftigten des Amazon-Standorts Werne im Wahrbrink wiederholt für die Anerkennung der Tarifverträge des Einzelhandelshandels NRW stark. Zudem wird der Abschluss eines Tarifvertrages für „Gute und gesunde Arbeit“ gefordert. Zu der Arbeitsniederlegung habe deshalb die Dienstleistungsgesellschaft Verdi aufgerufen, teilt Philip Keens, Gewerkschaftssekretär Fachbereich Handel, mit.

Seit Beginn der Nachtschicht am Montagabend (24. Mai) läuft der Arbeitskampf ganztägig für zwei Tage in Folge. Auch Beschäftigte des Einzelhandels, so Keens weiter, hätten seit zwei Wochen landesweit gestreikt, um ihre Forderungen in der laufenden Tarifrunde zu untermauern. 400 bis 500 Beschäftigte des Onlineriesen in Werne beteiligen sich an dem Streik, der bis zum Beginn der Nachtschnitt am Mittwoch (26. Mai) dauern wird.

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„Die Amazon-Beschäftigten streiken für eine Bezahlung nach den Tarifverträgen des Einzelhandels. Sie stehen damit gemeinsam mit allen Einzelhandelsbeschäftigten für echte Wertschätzung und faire Löhne ein und senden damit auch ein wichtiges Zeichen der Solidarität an alle Streikenden der letzten Wochen“, betont Verdi-Verhandlungsführerin Silke Zimmer.

Dabei hat die Gewerkschaft besonders die erschwerten Bedingungen im Blick, denen die Amazon-Beschäftigten ebenso wie die Mitarbeiter im stationären Einzelhandel seit Beginn der Corona-Pandemie vor mehr als einem Jahr ausgesetzt seien. „Die Angst vor einer Ansteckung ist an Lagerstandorten ständig präsent. Zeitgleich konnte Amazon als großer Gewinner der Krise seinen Umsatz in Deutschland um rund 33 Prozent steigern“, heißt es in der Mitteilung weiter.

„Dieses immense Umsatzplus haben die Beschäftigten unter Pandemie-Bedingungen erwirtschaftet. Als Anerkennung für ihre herausragenden Leistungen haben sie es mehr als verdient, nach den Tarifverträgen des Einzelhandels bezahlt zu werden. Tariflöhne sind der sicherste Schutz vor Armut, auch im Alter“, macht Verdi nun mit dem Aufruf zur Arbeitsniederlegung auch am Standort in Werne Druck.

Die Forderungen der Gewerkschaft wurden von Amazon bei vorherigen Streikaktionen mit dem Verweis auf einen gute Bezahlung und Gesundheitsschutz der beschäftigten in der Vergangenheit stets zurückgewiesen.

Seit Pandemie-Beginn habe sich ein „unglaublich hohes Bestellniveau“ entwickelt, schilderte Philip Keens am Dienstagnachmittag auf Nachfrage von WERNEplus zur gestiegene Arbeitsbelastung für die 1.800 Amazon-Mitarbeitenden am Standort im Wahrbrink. „Das ist wie jeden Monat Weihnachtsgeschäft“, beschrieb er die Dauerbelastungen. Erschwerend hinzu käme die Arbeit unter Corona-Bedingungen wie Maskenpflicht und Abstandsregeln. Das Tragen der sicheren FFP2-Masken sei den Mitarbeitenden nicht gestattet, Amazon gebe nur die die medizinischen Masken aus, erläuterte der Gewerkschaftssekretär. Weil das Atmen mit den FFP2-Masken schwerer sei, stünden den Mitarbeitenden ansonsten Sonderpausen zu. Auch die Abstandsregeln seien bei 1.800 Mitarbeitern in den Gängen des Standorts nur schwierig einzuhalten. Diese Situation führe folglich auch zu psychischen Belastungen der Mitarbeiter.

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