Archivarin Susanne Maetzke arbeitete sich durch eine 16 Zentimter dicke Straßenbauakte - und fand überraschende Details für Werne. Foto: Wagner
Archivarin Susanne Maetzke arbeitete sich durch eine 16 Zentimter dicke Straßenbauakte - und fand überraschende Details für Werne. Foto: Wagner
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Werne. Bei dem Blick in historische Akten erschließt sich die Vergangenheit und ihre Bedeutung für die Gegenwart immer wieder neu. Bei der Sichtung einer 16 Zentimeter dicken preußischen Straßenbauakte wurde die Archivarin und Historikerin des Stadtarchivs, Susanne Maetzke, auf spannende Details zur Geschichte der Verkehrstechnik aus der Zeit der Weimarer Republik in Werne aufmerksam.

“Der Straßenbau spielte lange Zeit nur eine untergeordnete Rolle. Bahn, Post und Wasser waren in Preußen nach dem Sieg über Napoleon von größerem Interesse”, erklärt Susanne Maetzke. Erst 1903 wurde im Preußischen Innenministerium für Westfalen eine Wegebau-Abteilung eingerichtet.

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Anfang der 1920er wurde auch für die Stadt Werne der Straßenbau immer wichtiger. Die Bevölkerung der Ackerbürgerstadt Werne, seit der Jahrhundertwende Zechenstandort, hatte sich bis zum Jahr 1925 fast vervierfacht. Die Zechenbahn Werne-Ermelinghof konnte seit 1904 als öffentliches Verkehrsmittel genutzt werden. 1906 fuhr das erste Auto durch Werne und eine elektrische Kleinbahn verband Unna-Kamen-Werne. Sie ermöglichte seit 1912 den Umstieg bis nach Dortmund.

In der Akte stieß die Werner Archivarin auf verstärkte Aktivitäten der Stadt in Sachen Straßenbau. Ein auswärtiger Unternehmer wurde 1924 abgesetzt, die Aufgaben selbst übernommen, wie der Kauf einer Pferdewalze zur Verbesserung der Straßen für 630 Mark vom Kreis Lüdinghausen. “Das war viel Geld für das gebrauchte und dazu noch beschädigte Gerät. Man hatte es scheinbar eilig”, schildert Maetzke.

In Anbetracht der rasch voranschreitenden Entwicklung im Straßenbau wurden die jährlichen Zusammenstellungen der erforderlichen Mittel und Maßnahmen zur Straßeninstandsetzung immer umfangreicher. Nach Magistratsbeschluss sollten jedes Jahr zehn Prozent der städtischen Chausseen neu überschüttet werden. “Zum Verfüllen der Straße verwendeten die Arbeiter Zechenschlacke, die mit Pferdefuhrwerken transportiert wurden. Da hatte Werne als Zechenstandort einen großen Vorteil”, weiß Susanne Maetzke. Auf die Pferdewalze folgte zwei Jahre später eine Dampfwalze, was “einen großen Sprung” darstellte. Bemerkenswert, wie die Historikerin findet, da die Mobilität der Bevölkerung damals noch sehr gering war.

In der Akte ist der Kauf einer Teermaschine dokumentiert. Foto: Wagner
In der Akte ist der Kauf einer Teermaschine dokumentiert. Foto: Wagner

1927 tauchte erstmals der Begriff Asphalt als staubfreier und geräuschloser Straßenbelag auf. Im gleichen Jahr erfolgte die Pflasterung der Burgstraße. 1928 musste die Stadt 23 Kilometer Straßen unterhalten. So wurde die Lebensdauer des verwandten Belags immer bedeutender. Das Stadtbauamt schlug daher 1928 erstmals für geeignete Straßen den Kalt-Teer Colzuma vor. Der Kaltasphalt-Sprengapparat “Rekord” wurde angeschafft, dann auch die Lippestraße bis hoch zur Stockumer Straße überschüttet.

“Die Akte veranschaulicht das Leben in Werne in den 1920er Jahren, verweist auf die Entwicklungen des städtischen Straßenbaus und macht auf Highlights der Technikgeschichte aufmerksam”, so Susanne Maetzke über die spannenden Entdeckungen während der Recherche.

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