Donnerstag, August 11, 2022

Reliquienschrein aus St. Konrad kommt zu neuen Ehren

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Wer­ne. Bereits in den 1930er-Jah­ren soll­te in der dicht besie­del­ten Arbei­ter­ko­lo­nie Even­kamp eine Kir­che ent­ste­hen. Ein Kirch­bau­ver­ein hat­te genü­gend Geld und Mate­ria­li­en auf­ge­trie­ben. Dann ver­wei­ger­ten die Natio­nal­so­zia­lis­ten die Bau­ge­neh­mi­gung. Wie weit die Plä­ne gedie­hen waren, belegt ein Klein­od, das dem­nächst zu neu­en Ehren kom­men wird: ein Reli­qui­en­schrein für ein Knö­chel­chen des hei­li­gen Kon­rad von Parzham.

Bis zum Abriss der Kir­che St. Kon­rad stand das klei­ne Schränk­chen dort in einem Sei­ten­ta­ber­na­kel. Wenig beach­tet, waren sei­ne Sil­be­rein­le­ge­ar­bei­ten mit der Zeit ange­lau­fen, der höl­zer­ne Rah­men ver­schmutzt. Wenn im Dezem­ber die Kon­rad-Kapel­le im Glo­cken­turm der ehe­ma­li­gen Kir­che ein­ge­weiht wird, soll der Schrein in einer pro­mi­nen­ten Wand­ni­sche für jeden Kir­chen­be­su­cher sicht­bar sein. Zu die­sem Zweck hat Pfarr­de­chant Jür­gen Schä­fer ihn bei einem Restau­ra­tor in Essen fach­ge­recht rei­ni­gen und auf­po­lie­ren las­sen. Nun prä­sen­tiert sich der Kon­rad­schrein als lit­ur­gi­sches Pracht­stück des Art-Deco-Stils.

In diesem klar gegliederten Art-Deco-Schrein ruhen Reliquien des heligen Konrad. Foto: Anke Schwarze
In die­sem klar geglie­der­ten Art-Deco-Schrein ruhen Reli­qui­en des heli­gen Kon­rad. Foto: Anke Schwarze
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Der Kor­pus aus dunk­lem Tro­pen­holz besticht durch sei­ne schlich­te geo­me­tri­sche Form. Git­ter­för­mig ange­ord­ne­te Sil­ber­schie­nen beto­nen die recht­ecki­gen Flä­chen. Eben­falls in Sil­ber gear­bei­tet wur­den die kla­ren, schnör­kel­lo­sen Buch­sta­ben an der Front. Sie for­men den Satz: „Hei­li­ger Kon­rad, bit­te für uns!“ Das Inne­re des Kas­tens wur­de aus ver­gol­de­tem Blech gear­bei­tet. Ein Medail­lon auf einem zylin­dri­schen Schaft wird dem­nächst wie­der die Kon­radre­li­quie beher­ber­gen. Die­ser mons­tran­zähn­li­che Reli­qui­en­be­häl­ter lässt sich her­aus­neh­men. „Dann kann ich mit der Reli­quie auch seg­nen“, erklärt Schäfer.

„Objek­te aus den 1930er-Jah­ren haben wir kaum in unse­rer Gemein­de, das ist schon etwas Beson­ders“, fügt der Pfarr­de­chant hin­zu. Dank eines glück­li­chen Zufalls lässt sich der Kon­rad­schrein sogar ziem­lich exakt datie­ren: Irgend­je­mand – wahr­schein­lich der Gold­schmied selbst – hat­te den obe­ren Bereich des Schränk­chens mit Papier aus­ge­stopft, um den inne­ren Reli­qui­en­be­häl­ter abzu­fe­dern. Unter den zusam­men­ge­knüll­ten Fet­zen fand Schä­fer die Res­te eines Umschlags, adres­siert an einen Theo­dor K. im hes­si­schen Hanau. Der Ort ist berühmt für sei­ne Gold­schmie­de­tra­di­ti­on. Sie geht zurück auf jene Huge­not­ten, die im 17. Jahr­hun­dert aus dem katho­li­schen Frank­reich nach Deutsch­land flo­hen. Der Brief­um­schlag trägt einen Post­stem­pel, datiert auf den 1. April 1937.

Die von Clemens von Galen unterschriebene Authentik für die Koradreliquie. Foto: Anke Schwarze
Die von Cle­mens von Galen unter­schrie­be­ne Authen­tik für die Kor­adre­li­quie. Foto: Anke Schwarze

Dazu passt die erhal­te­ne Authen­tik, also die Urkun­de, wel­che die Echt­heit der Kon­radre­li­quie bezeugt: Sie ist auf den 2. Juni 1937 datiert und wur­de unter­schrie­ben von Cle­mens August. Der Graf von Galen war von 1933 bis 1946 Bischof von Müns­ter. „Das man in Wer­ne für die Kir­che im Even­kamp den hei­li­gen Kon­rad zum Schutz­pa­tron wähl­te, hat ein Geschmäck­le“, meint Schä­fer. Kon­rad von Par­zham war 1934, ein Jahr nach der NS-Macht­er­grei­fung, hei­lig gespro­chen wor­den. Der beschei­de­ne und nächs­ten­lie­ben­de Kapu­zi­ner­bru­der galt vie­len Katho­li­ken als Gegen­fi­gur zum natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Her­ren­men­schen­tum. „Mög­li­cher­wei­se“, so Schä­fer, „haben sich die Ver­ant­wort­li­chen in Wer­ne bewusst für den Mann in der brau­nen Kut­te gegen die brau­ne Ideo­lo­gie entschieden.“

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