Die Theateraufführung „Schtonk“, eigentlich geplant am 30. November, soll nun in der Saison 2021/22 auf die Bühne des Kolpinghauses kommen. Foto: Gaby Brüggemann
Die Theateraufführung „Schtonk“, eigentlich geplant am 30. November, soll nun in der Saison 2021/22 auf die Bühne des Kolpinghauses kommen. Foto: Gaby Brüggemann
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Werne. Ob Theater, Musik, Varieté oder Kabarett: Nach dem November-Veranstaltungsverbot werden nun auch die Kulturangebote im Dezember in die Warteschleife geschickt. „Wir haben uns von den Veranstaltungen bis zum Jahresende verabschiedet“, kündigten Marlies Schmid-Goßheger und ihr Kollege Norbert Hölscher für das Kulturbüro der Stadt an. Grund sind die in der Corona-Pandemie in schneller Folge wechselnden Auflagen.

Zwar hatte man für das aktuelle Kulturprogramm das Theater-Abonnement ohnehin ausgesetzt und stattdessen einen Einzelverkauf der Karten vorgesehen, eine verlässliche Durchführung der Veranstaltungen lasse sich bei aller Flexibilität aber nicht mehr gewährleisten, bedauerten beide.

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Dabei ist das Bedürfnis nach stimmungsaufhellenden Kulturveranstaltungen gerade auch zu Corona-Zeiten offenbar groß. „Wir haben zwar 226 Interessenten für das Theaterstück im Kolpinghaus, aber de facto nur 68 Publikumsplätze”, schilderte Norbert Hölscher. Allein das Ensemble bestehe schon aus 14 Personen, hinzu kämen Techniker, die Mitarbeiter des Kulturbüros etc. hieß es. „Und wie wollen wir die Karten dann vergeben, sollen wir auslosen?“, fragte Schmid-Goßheger. Neben den Auflagen wie Maskenpflicht, Abstandsregeln für Bühne und Publikum. würden außerdem Pause, Catering und Garderobe wegfallen.

Dennoch: „Verschieben geht vor absagen“, lautet mit Blick auf die besonders hart betroffene kreative Branche nicht nur das erklärte Ziel des Kulturbüros. Auch Schauspieler, Musiker und Agenturen ziehen an einem Strang, um so möglichst viele Angebote vor der Absage zu bewahren. Aber oft haben die Künstler ja auch schon andere Engagements oder eine Tournee läuft schlicht aus, nannte Schmid-Goßheger nur einige der Unwägbarkeiten.

Wir müssen uns an den Rahmenbedingungen entlang hangeln“, versuchen die Mitarbeiter des Kulturbüros auch unter Corona-Bedingungen Kulturelles anzubieten oder eben Ersatztermine zu finden. Von links: Marion Stegeman, Marlies Schmid Goßheger und Norbert Hölscher. Foto: Gaby Brüggemann
Wir müssen uns an den Rahmenbedingungen entlang hangeln“, versuchen die Mitarbeiter des Kulturbüros auch unter Corona-Bedingungen Kulturelles anzubieten oder eben Ersatztermine zu finden. Von links: Marion Stegeman, Marlies Schmid Goßheger und Norbert Hölscher. Foto: Gaby Brüggemann

Für alle Kulturbeflissenen, die sich auf die Theateraufführung „Schtonk“ am 30. November gefreut haben, soll das Stück um die angeblichen Hitler-Tagebücher nun in der Saison 2021/22 auf die Bühne des Kolpinghauses kommen. Auch für „Günna“, alias Kabarettist Bruno Knust, der das Publikum mit „seinem Programm „Klare Kante“ am 15. Dezember unterhalten wollte, wird nun voraussichtlich im März stattfinden. Vielleicht kann man ja mit der ein oder anderen Veranstaltung auch in den Open-Air-Bereich ausweichen, lautet eine Idee, gegebenenfalls auch ungewohnte Wege zu gehen.

Aber nicht nur im Kulturbüro, auch bei den kulturschaffenden Werner Vereinen stecke man den Kopf nicht in den Sand und organisiere Kulturelles auch um den Preis des höheren Aufwands, hieß es weiter. FlözK etwa habe seine Konzertreihe ins Kolpinghaus verlegt und die Gesellschaft der Musikfreunde kurz vor dem November-Lockdown ihr Konzert in zwei Aufführungen gesplittet und so zweimal 40 Besuchern den Konzertbesuch im Alten Rathaus ermöglicht.

Dass nicht nur das Interesse nach Kulturangeboten ungebrochen sei, sondern es auch viel Verständnis für die Kulturschaffenden gebe, lesen die beiden Kulturbüro-Mitarbeiter an der Bereitschaft der Abo-Kunden ab, ihre Tickets für entfallene Veranstaltungen zu spenden. In der vergangenen Saison habe man 1.500 Tickets verkauft. Viele Kunden hätten den bereits gezahlten Eintrittspreis von 20 Euro für die Kulturszene gespendet. So kamen 3.500 Euro zusammen, freuen sich Hölscher und Schmid-Goßheger über die solidarische Geste. Die Verwendung der Mittel werde noch beraten und anschließend transparent gemacht, betonten beide.

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