Stefan Hörstrup in der St. Christophorus Kirche - als
Stefan Hörstrup in der St. Christophorus Kirche - als "Gast-Pfarrer" bei Hochzeiten oder Taufen für enge Freunde. Foto: Privat
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Im zweiten Teil des Interviews spricht der katholische Pfarrer Stefan Hörstrup über seine Heimatstadt Werne sowie die Entscheidung für die Priesterweihe und gegen die Medizin.

Sie sind in Werne geboren, aufgewachsen und haben 1996 Abitur am St. Christophorus gemacht. Danach ging es kreuz und quer durch das Bistum Münster, meistens mehr als eine Autostunde von der Lippestadt entfernt. Wie sind Ihre Kontakte in die Heimat?

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Ich komme immer wieder gerne nach Werne zurück und das Wort „Heimat“ beziehe ich durchaus auf diese Stadt an der Lippe – seltsamerweise umso mehr, je länger ich schon nicht mehr hier wohne. Kontakte zur Familie und zu Freunden bestehen natürlich und dafür bin ich sehr dankbar; es gibt immer eine offene Tür.

Wie behalten Sie die Situation in Werne im Blick und entdecken Sie bei Ihren Besuchen noch Neues?

Bei Besuchen erfahre ich natürlich so manches Neue und ab und an schaue ich auch ins Netz, um ein Update zu bekommen. Da wird “WERNEplus” eine gute Möglichkeit sein. Vor nicht allzu langer Zeit habe ich tatsächlich auch etwas Neues erlebt und entdeckt: Bei einem Besuch eines Freundes sind wir durch die Lippeauen gewandert und ich bin mir fast sicher, diesen Weg noch nie gegangen zu sein. Es war eine sehr schöne Naturerfahrung direkt neben der Stadt: Wasser, Bäume, Sonne – ein Kurzurlaub an einem Nachmittag.

Nach Ihrem Abitur haben Sie beim Rettungsdienst in Werne Ihren Zivildienst geleistet. Welche Erinnerungen haben Sie noch an diese Zeit?

Für mich war die Zivizeit durchaus prägend und sehr wichtig. Auf der Jugendburg habe ich des Öfteren bei den Zivis, FSJlern und anderen Freiwilligen erlebt, dass sie in einem Jahr erwachsener geworden sind und gute Orientierung für ihr Leben erhalten haben. Das war bei mir genauso. Ich durfte tolle Kollegen erleben, spannende Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen und auch erfahren, was es heißt, in existenzieller Not zu sein. Welche Bedeutung da der Glaube, ein Halt, ein gutes Fundament hat, das hat sich mir ganz praktisch erschlossen.

Trotz Interesse an der Medizin haben Sie sich für den Weg ins Priesteramt entschieden. Ein Schritt, den heutzutage nur wenige wagen. Wie waren damals die Reaktionen auf Ihre Entscheidung?

Die Reaktionen damals waren eigentlich durchweg positiv, vor allem von Freunden. Meinen Eltern bin ich sehr dankbar für die Freiheit, die sie mir gelassen haben. Vor allem die Freiheit bis zum Ende entscheiden zu können, auch noch einmal etwas ganz anderes zu machen. So konnte ich nach dem Studium und der Praktikumszeit innerlich frei sagen: Ja, das ist mein Weg.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, in welchem Bereich sich die katholische Kirche modernisieren sollte, welcher wäre das?

Heute feiern wir Pfingsten – den Heiligen Geist. Ich finde es total spannend, dass am Anfang der Kirche so eine große Dynamik, so etwas Lebendiges steht. Es muss immer darum gehen, die Botschaft Jesu glaubhaft zu bezeugen, so dass die Menschen merken: Daran zu glauben, das würde mein Leben bereichern, ihm mehr Hoffnung geben. Und wenn es Regeln gibt, die genau das behindern, dann sollten sie weichen oder sich verändern. Welche Bedeutung haben Frauen in der Kirche? Wie ernst nehmen wir die Liebe zwischen Menschen? Wie gehen wir mit Macht und deren Kontrolle um?

Gleichzeitig würde ich mir wünschen, dass auch sehr innovative kirchliche Ideen mehr rezipiert würden. Die Enzyklika „Laudato si‘“ von Papst Franziskus ist gerade fünf Jahre geworden. Seine Ideen zur Ökologie, zur Wirtschaft, kurz zum Umgang mit unserer Welt angesichts von Klimawandel und Umweltzerstörung sind so konsequent gedacht, dass sie vieles von dem, was in der Fridays for Future-Bewegung gefordert wird, vorwegnehmen.

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