Das Computerspiel „Minecraft“ (unten) hilft den Schauspielern der Freilichtbühne (oben) bei den Proben zu ihrem Kriminalstück. Foto: Freilichtbühne
Das Computerspiel „Minecraft“ (unten) hilft den Schauspielern der Freilichtbühne (oben) bei den Proben zu ihrem Kriminalstück. Foto: Freilichtbühne
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Werne. „Und dann gab ́s keines mehr“ – mit der Inszenierung des meistverkauften Kriminalromans aller Zeiten sollten im November drei Krimi-Abende in ganz besonderer Atmosphäre auf der Freilichtbühne Werne stattfinden. Doch dann kam der „Lockdown light“ und mit ihm neue Beschlüsse und Kontaktbeschränkungen: Theater mussten schließen und die Proben auf Eis gelegt werden. Das Ende für das Projekt? Nein, sagen die beiden Regisseure und Verantwortliche des Stücks. Damit es weitergeht, haben sie sich eine außergewöhnliche Methode für die Vorbereitungen ausgesucht: das Computerspiel „Minecraft“. Ein Gespräch mit Marius Przybilla und Holger Schulte.

Seit langer Zeit spielt die Freilichtbühne das erste Mal einen Krimi für Erwachsene – wie kam es dazu?

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Schulte: Der Wunsch nach einem Stück in diesem Format gibt es schon länger. Bereits in den letzten Jahren wollten wir unser Publikum erweitern. Leider mussten durch die Corona-Pandemie alle regulären Inszenierungen abgesagt werden. Dies gab die Möglichkeit in diesem Jahr einen Krimi mit überschaubarer Anzahl von Spielern zu inszenieren. So war es uns möglich die Auflagen des Gesundheitsamtes einzuhalten.

Wie waren die Reaktionen zu dem Projekt in den eigenen Reihen?

Przybilla: Die Mitglieder haben sich gefreut, dass wir in diesem Jahr doch noch eine geplante Premiere auf die Bühne bringen wollen. Für die Inszenierung selbst haben sich, neben den zwei Regisseuren, noch acht weitere Schauspieler gefunden. So hatten maximal zehn Personen miteinander Kontakt. Bereits vor der Auswahl der Schauspieler war klar, dass der zeitliche und organisatorische Aufwand in diesem Schnelldurchlauf deutlich höher ausfällt als bei einer normalen Saison.

Die Premiere musste verschoben werden. Wie sind Sie damit umgegangen?

Przybilla: Natürlich waren wir uns von Anfang an darüber bewusst, dass durch die dynamische Situation neue Auflagen und Verordnungen in Kraft treten könnten. Selbstredend waren wir alle sehr betroffen, da wir Ende Oktober kurz vor unserer Generalprobe standen. Jetzt freuen wir uns aber auf die hoffentlich stattfindenden Ausweichtermine.

Nun sollen die Aufführungen im Dezember stattfinden. Wie laufen die Vorbereitungen ab?

Schulte: Die Vorbereitungen waren für die Premiere im November weitestgehend abgeschlossen. Durch die neuesten Kontaktbeschränkungen sind die Proben auf der Bühne leider nicht mehr möglich. Diese bis zur Premiere im Dezember ausfallen zu lassen, war allerdings keine Option. So verabredeten wir uns zu Onlineproben per Videochat. Zufriedenstellend für die Vorbereitung war das nicht, so dass es zu der verrückten Idee kam, die virtuelle Welt eines Computerspiels zum Proben zu nutzen.

Also geht es von der Bühne an den Schreibtisch?

Schulte: Ja, jedoch waren vorher noch einige Vorbereitungen nötig. Es stellte sich heraus, dass unser Bühnentechniker, Nils Knösel, ein Minecraft-Experte ist. Er ließ sich von der Idee direkt anstecken und baute unser Bühnenbild auf seinem eigenen Minecraft-Server nach. Schnell fand sich ein Sponsor für die Lizenzen und wir konnten dieses tollkühne Projekt starten.

Welche Unterschiede und Schwierigkeiten ergeben sich bei den Online-Proben?

Przybilla: Jeder Spieler kontrolliert bei diesen Onlineproben eine Figur über eine virtuelle Bühne. Er kann zum Beispielen Türen öffnen, sich setzen, Sachen in die Hand nehmen und mit anderen Spielern durch Hand- oder Kopfbewegungen auch etwas über „Körpersprache“ ausdrücken. Dennoch ist eine virtuelle Probe natürlich gar kein Vergleich zu einer „echten“ Probe vor Ort. Die Interaktion, dass sich gegenseitig aufbauende Spiel, ist nicht wirklich nachzubilden. Was aber überraschend gut funktioniert sind die Positionen auf der Bühne sowie die Auf-und Abgänge.

Außerdem kann man noch mehr an seiner Stimme arbeiten, da man Mimik und Gestik in diesem Fall nicht zur Verfügung hat. Emotionen entwicklen sich auf der Bühne wieder schnell – die Textkenntnis tut das erfahrungsgemäß nicht. Auch da hilft uns diese neue Art der Proben.

Wie kam dieser ungewöhnliche Schritt bei den Schauspielern an?

Schulte: Viele Schauspieler kannten dieses Spiel nicht und brauchten ihre Zeit, sich in der virtuellen Bühne zurechtzufinden. Das ging dann aber erstaunlich schnell. Zu Beginn gab es eine Gewisse Skepsis diesem Schritt gegenüber. Diese war dann aber schnell verflogen und alle waren sich einig, dass es einen Mehrwert zu den „normalen“ Leseproben gab und zudem auch noch mehr Spaß macht.

Hat die „gewonnene“ Zeit auch Vorteile für die Vorbereitung?

Przybilla: Wir versuchen die verschobene Premiere positiv zu sehen und an uns und der Inszenierung weiter zu arbeiten. Außerdem warten wir noch auf das eine oder andere Paket mit zusätzlichen Kostümteilen und Requisiten – diese werden bis dahin auf jeden Fall ankommen.

Die Sicherheit aller Beteiligten geht vor – das machen Sie immer wiede rdeutlich. Auf was müssen sich Besucher einstellen?

Przybilla: Richtig, die Sicherheit für alle geht vor. Die Besucher dürfen sich auf ein durchdachtes Hygienekonzept einstellen, was den Theaterabend in der besonderen Atmosphäre nicht schmälert. Als Freilichtbühne haben wir auf das Wetter wenig Einfluss, aber: Es gibt nur falsche Kleidung. Wärmende Decken etc. dürfen gerne mitgebracht werden. Außerdem kümmern wir uns um heiße Getränke.

Personalisierte Tickets gibt es online unter www.soldier-island.de und unter der Reservix-Hotline 01806 700 733. Alle neuesten Infos finden sich auf der Facebook-Seite der Freilichtbühne sowie auf der Website.

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